Julia's Tagebuch in den USA und in Argentinien
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Hallo zusammen!


Auf dieser Seite könnte ihr mitverfolgen, was ich alles während meiner Aufenthalte in Santiago del Estero, Argentinien und Aberdeen, South Dakota, USA erlebt habe!

Viel Spass beim Schmoekern!

Alter: 25
 


Blog

Weihnachten und Silvester

Auch wenn die Gedanken schon fast näher am Fasching als an Weihnachten sind, will ich euch doch – lieber spät als nie – nicht vorenthalten, wie denn nun meine argentinische navidad und der Jahreswechsel waren.

Ich habe ja früher schonmal angedeutet, dass bei mir dieses Jahr keine so “richtige” Weihnachtsstimmung aufkam, wegen Sommerhitze etc. Der Versuch, am 22. durch das Backen von Schokoladenbrot als wenigstens einer Plätzchensorte ein bisschen Stille-Nacht-Feeling zu erzeugen, ging erstmal gewaltig schief, wegen anderer Zutatenzusammensetzung (ich wusste nicht, dass Raspelschokolade in anderen Ländern so unpopulär ist... Auch habe ich noch nie in meinem Leben 250g Mandeln mit der Hand/Mörser gemahlen...) und wegen unseres Gasofens, der leider ohne jegliche Temperaturanzeige ist :-)

Als mir dann am 23. Dezember am frühen Nachmittag völlig unerwartet der Postbote doch noch mein Weihnachtspaket von daheim überreichte und ich zwischen zerdrückten Ü-Eiern, Lebkuchen und Bayern-Bildbänden einen vertrockneten, aber himmlisch duftenden Tannenzweig ausgrub, ließ sich  kurzzeitig auch mein Bauchgefühl davon überzeugen, dass es wohl wirklich Weihnachtszeit war.

Nachmittags hatte ich dann einen Termin bei Manpower, dem Personaldienstleister, wo ich angefragt hatte, ob sie mir bei der Suche nach einem Praktikum helfen könnten. Habe dort zwei Stunden lang ein Online-Formular für ihre Datenbank ausgefüllt, da die Internet-Verbindung wirklich erbärmlich langsam war. Mal schaun, ob sich durch die was ergibt, ich habe aber keine allzu großen Hoffnungen. Klingel Putzen bei den Unternehmen selber scheint mir irgendwie erfolgversprechender.

Die Feiertage hab ich dann ja mit meinen Mitbewohnerinnen Belén und Sofia bei ihrem Vater in Quimilí, also auf dem Land verbracht (Quimilí hat etwa 15.000 Einwohner. Im Gegensatz zum kinderarmen Deutschland, wo so was ja durchaus als Kleinstadt gilt, ist das für argentinische Verhältnisse ein richtiges Dorf.) Es war anfangs ein ewiges Hin und Her, wer mit wem wann in welchem Fahrzeug mitfährt, aber letztendlich sind wir bis Heilig Abend am frühen Nachmittag alle drei dort eingetroffen. Der Vater (Alfredo) führt in Quimilí zusammen mit seiner neuen Frau eine Art Raststätte entlang der autopista, aber da Quimilí so klein ist, werden Restaurant und Bar insgesamt mehr von Einheimischen als von Durchreisenden besucht.

Heilig Abend ist – genau wie Silvester – hier im Prinzip eine einzige Fresserei: Man verbringt den ganzen Tag (oder oft schon den Vortag, um dann Heilig Abend in der Hitze der Siesta eine Pause machen zu können) damit, alles Mögliche zu kochen (das hat in unserem Fall zu einem großen Teil das Küchenpersonal übernommen :-)), wird abends ziemlich knapp fertig (bei uns z.B. waren erst ein paar Minuten vor Mitternacht endlich alle am Tisch versammelt, den wir in der lauen Sommernacht natürlich im Freien aufgestellt hatten), dann wird geschlemmt (bei uns: erst Sandwiches aus Toastbrot, dann ganz unargentinisch Tacos mit Huhn oder Rind, dann Grillfleisch en masse mit Brot und Salat, dann Eistorte, der Fruchtsalat wurde dann einstimmig ausgeschlagen), um Mitternacht werden dann ebenso wie an Silvester Böller und Raketen abgeschossen (ich habe nicht so ganz nachvollziehen können, wieso Sofia ihrem 3-jährigen Halbbruder Benjamin Böller gekauft hat, und noch weniger, wieso der Kleine schon mit einem Feuerzeug umgehen kann...), man wünscht sich frohe Weihnachten, und dann klingeln wie bei uns an Neujahr stundenlang sämtliche Handys, um Glückwünsche auszutauschen. Getrunken wird natürlich nicht Glühwein und Punsch, sondern eiskaltes Bier, Wein, oder so aromatisierter Süßwein bzw. -sekt (ich weiß nicht mal, wie das auf Deutsch heißt...). Ach ja, einen Christbaum gabs allerdings schon, der stand in einer Ecke in der Raststätte, und darunter lagen auch einige von Papá Noel gebrachten Geschenke. Es ist aber bei weitem keine so große Sache wie in Deutschland, im Prinzip hat jeder Erwachsene ein Geschenk gehabt (meist was zum Anziehen; auch an mich hat Papa Noel in Form eines Armreifs gedacht, was ich echt sehr nett fand), und der kleine Benjamin hat eben ein bisschen mehr bekommen (am meisten Spaß hat ihm die Taucherbrille gemacht, die er dann gleich ganz stolz den restlichen Abend trug ;-)). In Argentinien ist es weit verbreitete Tradition, sich unter weiblichen Familienmitgliedern rosa Unterhosen zu schenken (Mama, ich weiß, was du jetzt denkst :-)), da die angeblich Glück bringen, also habe ich als Gag meinen beiden Gast-”Schwestern” je einen rosa String gekauft.

Gegen 3 Uhr morgens haben sich dann die meisten Erwachsenen verabschiedet, und wir Jungen sind ins Nachtleben aufgebrochen. Dazu muss man sagen, dass es in Quimilí insgesamt 2 Diskotheken gibt, die nie gleichzeitig geöffnet sind, weil sich das nicht lohnen würde. An Heilig Abend und Silvester haben sie beide offen, und außerdem ist noch öffentlicher Tanz in der Stadthalle. Daran sieht man, dass die Stille Nacht hier alles andere als still ist und einfach jeder weggeht, um Freunde und Bekannte zu treffen und bis in die Morgenstunden (wie immer ;-)) zu feiern. Wir waren dann eben in einer der beiden Diskos, die auch noch eine Art Innenhof hatte, wo es deutlich kühler war als im Gewühl drinnen, und so habe ich in der sternklaren Heiligen Nacht früh morgens um 5 die erste Sternschnuppe meines Lebens gesehen (und natürlich gleich kräftig gewünscht :-)).

Der 25. Dezember ist dann, nach so viel Feiern, eher ein Tag zum Energien Erneuern, Reste Essen und Weihnachtsgrüße Überbringen. Wir haben zum mate das pan dulce (“süßes Brot”, die argentinische Mischvariante aus Stollen und Früchtebrot, die es zu Weihnachten en masse zu kaufen gibt), das ich mitgebracht hatte, gegessen, aber nachdem sich die ganze Familie um 4 schon wieder zur Siesta niederlegte (obwohl wir eh bis um 2 geschlafen hatten), wurde es mir langweilig und ich habe mich auf die Suche nach einem Locutorio gemacht, um nach Deutschland zu telefonieren. Leider bleibt am 25. Dezember irgendwie wirklich jeder Bewohner Quimilís daheim zum Ausruhen, und so musste ich ziemlich enttäuscht feststellen, dass alle Läden zu hatten. Da war ich dann das einzige Mal über die Feiertage ein bisschen traurig, denn ich wusste, wie sehr es alle meine Verwandten gefreut hätte, wenn ich sie bei meinen Großeltern daheim angerufen hätte. Ich bin dann Tobi besuchen gegangen (Tobi ist der Passauer, dessen Mitbewohner Mariano zufällig auch aus Quimilí kommt und er deswegen auch über Weihnachten dort war) und so habe ich Fran(cisco) kennen gelernt, einen ziemlich verrückten Cousin von Mariano, der uns mit dem Auto das doch sehr überschaubare Städtchen gezeigt hat. Und dann hat sich Gott sei Dank doch noch ein Betreiber eines Kiosks mit Telefonzellen erbarmt, abends um 8 seinen Laden zu öffnen, und so konnte ich zumindest einem Teil meiner Familie in Deutschland noch frohe Weihnachten wünschen (gut, der andere Teil lag eh mit Grippe im Bett...). Abends saß ich dann mit Belén und Sofia in einer gemütlichen Runde von etwa 10 ihrer Cousins (ersten und zweiten Grades) in der Raststätte zusammen, von Weihnachten war zu diesem Zeitpunkt schon überhaupt gar nichts mehr zu spüren. Die Atmosphäre ist zwar generell schon sehr festlich und ausgelassen, aber mehr so, wie es vielleicht für Schüler Ende Juli ist, wenn die Sommerferien anfangen, von christlicher Besinnung und Gedenken an die Geburt Christi habe ich nicht viel gemerkt, und das in einem Land, wo die Kirche zumindest als Institution doch noch viel mehr Einfluss hat als zum Beispiel in Deutschland...

Am Freitag, also am 26., waren wir dann den ganzen Nachmittag im Pool einer Kusine von Belén, was bei der Hitze natürlich ziemlich angenehm war. :-) Ich bin dann in den frühen Morgenstunden – also nach bloßem Hineinschnuppern ins freitägliche Nachtleben –  mit dem Bus nach Santiago aufgebrochen, denn – naja, es war einfach Zeit, wieder heimzufahren. Ich fand es sehr nett, dass die Familie mich eingeladen hatte, und mein Weihnachten war wohl auch sehr typisch argentinisch, aber ich habe auch gemerkt, dass für die beiden Mädels die Rückkehr in ihr geliebtes Heimatdorf auch und in erster Linie bedeutet, alte Freunde wieder zu treffen und da habe ich mich manchmal einfach ein bisschen überflüssig gefühlt. Außerdem sind dann die zwei Schwägerinnen des Papas auch noch auf Besuch gekommen, und es war ja vorher schon ein bisschen eng im Haus, zu sechst inklusive dem Kleinen in zwei Schlafräumen... Quimilí ist auf jeden Fall ein kleines Paradies, wo die Welt noch in Ordnung ist und wo jeder jeden kennt (selbst ich konnte nach 3 Tagen nirgends mehr hingehen, ohne nicht irgendjemanden zu treffen, der mich kannte) und wenn sich die Gelegenheit ergibt, möchte ich auf jeden Fall noch einmal dorthin.

Die Tage bis Silvester habe ich dann relativ faul in Santiago verbracht, war mit Eugenio beim Salsa Tanzen, im kleinen Zoo Santiagos (vor dem mich alle etwas gewarnt hatten, dass er so erbärmlich sei, aber so schlimm wars dann gar nicht. Die Käfige sind halt sehr klein, und sie halten teilweise Rudeltiere wie Affen einzeln in Gehegen...) und beim mate Trinken im Park mit Euge und seinen zwei besten Freunden (die gleichzeitig auch zwei der besten Freunde Beléns sind). Am 29. ist dann Tobi nach Buenos Aires gefahren, denn er macht dort ab morgen Praktikum in Texas und musste sich in der Botschaft noch um sein Visum kümmern. Am Vorabend hat er also eine kleine Abschiedsparty gegeben und es entstand die Idee, dass ich ihn in den zwei Wochen, die er in Buenos Aires verbringen würde, besuchen könnte (was ich letztendlich auch gemacht hab, dazu ein extra Eintrag).

Für Silvester habe ich einen zweiten, diesmal erfolgreichen Versuch gestartet, Schokoladenbrot zu machen. Das halb verbrannte, ziemliche trockene Schokoladenbrot hatte nämlich der ganzen Familie von Eugenio schon so geschmeckt, dass ich beschlossen habe, damit etwas zum Abendessen an Silvester beizutragen. Denn ja, zum Jahreswechsel hatte mich seine Familie eingeladen, den Abend mit ihnen zu verbringen. Die Mutter hat einen ziemlichen Narren an mir gefressen und der Rest der Familie (zwei Brüder, die noch daheim wohnen, und dann die älteste Schwester, die schon verheiratet ist) ist auch wirklich sehr nett, gut, der Vater redet bissl wenig, aber auch ihn hab ich schon etwas aufgetaut und in letzter Zeit führen wir manchmal sogar direkte Plausche, die übers Wetter hinausgehen :-P

Da ich Weihnachten heuer zum ersten Mal in meinem Leben nicht in der Kirche war, wollte ich zumindest an Silvester gehen, und Eugenio hat mich dabei gerne begleitet. Aber typisch argentinisch wusste wieder niemand genau, wann der Gottesdienst losging, wir dachten halb 10, kamen um kurz nach 9 an und stellten fest, dass es wohl eher halb 9 gewesen wäre... :-P War also dementsprechend ein eher kurzer Besuch, aber wenigstens konnten wir noch einige der Musikeinlagen genießen, die – typisch für Santiago – folkloristisch mit Trommeln etc. inszeniert waren.

Auch Silvester besteht dann im Prinzip aus einem großen Abendessen, ich glaub, diesmal wars sogar noch mehr als an Heilig Abend (verschiedene Huhn-Gerichte, Reis, Sandwiches und ich weiß gar nicht mehr was noch. Hinterher dann natürlich Schokoladenbrot :-)). Wir hatten den Tisch im Garten gedeckt, aber pünktlich um halb 11, als wir anfangen wollten, fing es an zu regnen, also sind wir unters Vordach umgezogen. Der Regen hat sich dann, mit einigen Aussetzern, bis ins neue Jahr hinein gezogen, was von einem Santiagueño natürlich als gutes Omen gedeutet wird :-) Um Mitternacht haben dann die beiden Brüder Eugenios Böller und Raketen abgeschossen, und wir haben zum Anstoßen jeder einen Sternwerfer angezündet, die ich mitgebracht hatte. Es muss wohl eine verirrte Rakete gewesen sein, die pünktlich um 00:01 das ganze Wohnviertel ohne Strom ließ. Ob das jetzt ein gutes oder schlechtes Omen war, darüber wurde man sich nicht einig, aber umso romantischer war dann jedenfalls der Rest des Abends bei Kerzenschein :-) Ich habe dann noch einen der Bildbände über Bayern hergeschenkt, die mir meine Mama im Weihnachtspaket geschickt hatte, und der wird seitdem sehr gerne von allen, vor allem der Mutter, in die Hand genommen (die ganze Familie hat diverse Freunde aus Deutschland und von daher ist sowohl das Wissen, als auch das Interesse überdurchschnittlich hoch). Gegen halb 4 ließ sich Eugenios Mama von ihrem Mann in die Stadt fahren zu ihrer Schwester (das Viertel, wo Eugenio wohnt, liegt etwas außerhalb am Stadtrand) und Euge und ich sind mitgefahren, um zu schauen, was “in der Zivilisation” so los war. Dort war erstaunlich wenig los, die Hälfte der Bars und Kneipen hatte zu, weil die Besitzer wohl selber bei ihren Familien waren, und in den zwei organisierten Silvesterparties in Festzelten im Park war um die Uhrzeit irgendwie noch niemand, also haben wir einfach noch wo was getrunken. Und so endeten meine argentinischen Feiertage so, wie sie in Deutschland normalerweise beginnen: Ruhig und besinnlich :-)

Auf diesem Weg noch allen ein frohes neues Jahr 2009 und vielen Dank für die Weihnachtsgrüße!
11.1.09 22:23


Endspurt vor Weihnachten...

Ich weiss, zwei Weblog-Eintraege innerhalb derselben Woche, damit schockiere ich euch grad richtig :-P

Bin gerade im Internet-Café und drucke meinen Geschaeftsplan aus. Richtig, ich musste als Abschlussarbeit fuer einen meiner Uni-Kurse mein eigenes Unternehmen gruenden, zumindest fiktiv auf dem Papier. Ich habe mich natuerlich - typisch Kuwi - fuer interkulturelle Beratung entschieden und meine Agentur in Buenos Aires eroeffnet. Hat eigentlich ziemlich viel Spass gemacht, sich das alles bis ins kleinste Detail zu ueberlegen (Was kostet Telefon und Internet fuers Buero pro Monat? Wie ist die Marketing-Strategie? Und welche Rechtsform soll das Ganze eigentlich haben?). Das war bisher echt das Sinnvollste, was ich hier an der Uni gemacht habe (und es ist ja im Leben nie verkehrt, fuer den Fall der Faelle einen Plan B in der Tasche zu haben ;-)). Ich durfte der Dozentin den Geschaeftsplan vorher zum Probelesen per Email schicken, und morgen habe ich dann mit ihr und einer anderen Kollegin eine muendliche Pruefung, wo ich den Plan offiziell vorstellen und verteidigen muss.

Wenn ich das hinter mich gebracht hab, fehlt nur noch eine Hausarbeit in dem Politik-Seminar, das sich so ewig hingezogen hat. Letztendlich ist es in den vergangenen Wochen meist ausgefallen, weil der Dozent keine Zeit (Lust?) hatte, und irgendwann hat er uns dann in sein Buero bestellt und gemeint, wir sollen einfach selber weiterlesen und dann eine Hausarbeit schreiben. :-) Die Anforderungen waeren eigentlich ziemlich niedrig (drei Seiten mit einer Textquelle), aber fuer die Anerkennung in Passau brauch ich mindestens 15 Seiten. Jetzt weiss ich also, was ich im heissen Januar machen werde... :-(

Am Dienstag habe ich bei Manpower eine Art Vorstellungsgespraech wegen Praktikumssuche. Ich habe jetzt da einfach mal nachgefragt, ob sie mir was vermitteln koennen, mal schaun, was da rauskommt... Wenn nicht, hab ich glaub ich mittlerweile obigen Politik-Dozenten, der ja Direktor der Personalabteilung im Gesundheitsministerium ist, weich genug geklopft, dass er mich im Februar/Maerz nimmt :-)

Ach ja, am Sonntag war ich ja, wie im letzten Eintrag angekuendigt, beim Indio Froilán, also dem netten Folklore-Trommel-Fertiger, der jeden Sonntag zu sich in den patio, also "Garten" (= eine riesige staubige Flaeche mit einigen Baeumen, Tischen und Baenken) zum Folklore-Tanzfest einlaedt. Ich war dort mit Stephie (die Passauerin, die auf Besuch da ist bzw. war, denn am Montag ist sie schon wieder aufgebrochen), Tobi und zwei Freunden von Stephie von damals, als sie hier zum Studieren war. Wir sind schon um halb 6, also in der Hitze, hingefahren (das Gelaende liegt ein paar Minuten ausserhalb der Stadt), weil die beiden Freunde (Mario und José spaeter noch was vorhatten. Da sie aber Gentlemen sind, wollten sie natuerlich Stephie unbedingt nochmal dorthin bringen, bevor sie wieder heimgefahren ist. :-) Weil wir so frueh da waren, hat uns der Besitzer auch noch persoenlich begruesst (wobei ich den Eindruck habe, er macht das generell mit allen Leuten, egal wie viele kommen) und daher wussten dann alle Anwesenden, dass wir drei aus Deutschland kommen. Als es im Verlauf der Veranstaltung irgendwann ans Nationalflagge-Hissen ging (wieso, ist mir nicht so ganz klar...), wurden dann per Mikrofon alle anwesenden Auslaender (erstaunlich viele...) nach vorne gerufen und jeder hat die Argentinien-Fahne ein paar cm hochgezogen. Kurz darauf kamen dann echt zwei Jungs zu uns her und fragten, ob wir wirklich aus Deutschland seien und ob sie ein Foto mit uns machen duerften. Sowas ist mir hier echt noch nie passiert... Zu essen gab es diverse Regionalprodukte (Fladenbrot, Empanadas und andere Teigtaschen), die von Arbeitslosen verkauft werden. Die Musik war irgendwie nur teilweise live, was ich ein bisschen schade fand. Aber getanzt wurde natuerlich trotzdem eifrig :-) Die meisten Folklore-Taenze kann ich leider noch nicht, von daher war der Genuss mehr das Zuschauen, aber das ist ja oft genauso schoen. Als schliesslich Mario, der der Fahrer war, gehen musste, ist José mit ihm mitgefahren, um sein Auto zu holen, nur damit wir Deutschen noch laenger bleiben konnten... Fand ich sehr nett. Als dann schliesslich auch José gehen musste, sind wir zurueck in die Stadt und ich bin mit Stephie spontan in eine Open-Air-Ausstellung von Bildern und Skulpturen gegangen und anschliessend haben wir uns noch fuer ein Stuendchen sozusagen selber auf die Geburtstagsfeier einer reichen aelteren Dame eingeladen, denn die hatte José als gesangliche Unterhaltung engagiert. Er singt wirklich gut, aber das tun die meisten Argentinier. Ich frage mich nur immer, wo sich die Bass-Saenger verstecken...? ;-)

So, jetzt mach ich mich mal auf Mittagessen-Suche. Schade, dass ich momentan meist alleine essen muss... Ich haette schon ganz gerne wieder Mitbewohnerinnen, die auch anwesend sind... Ob mir das argentinische Christkindl die bringen wird...? Waere schoen...

Heisse Gruesse ins kalte Deutschland!

18.12.08 16:41


Advent, Advent... Und die Sonne brennt...

Mittlerweile bin ich ja schon wieder drei Wochen in Santiago seit meiner letzten Reise zu den Pinguinen und Walen. Was gibt es also Neues?

Es ist heiß. Hm, eigentlich nix Neues... An manchen Tagen macht es mir gar nichts aus, an anderen merke ich, wie sehr mich die Hitze oder – wenns denn mal wieder geregnet hat – das schwülwarme Wetter schlaucht. Aber anfangs, im August, haben mich immer alle mit mitleidigem Blick betrachtet, wenn ich erzählt hab, dass ich den Sommer hier in Santiago verbringen würde, denn ich, wo ich es nicht gewöhnt bin, würde ja quasi definitiv in der Hitze umkommen. Und davon kann keine Rede sein. :-) Es ist anstrengend, und ich verstehe, wieso Santiago in Argentinien den Ruf hat, voller fauler Menschen zu sein, denn wer nachmittags so wahnsinnig ist, durch die Straßen der 300.000-Einwohner-Stadt zu laufen, wird ziemlich einsam dabei sein. Aber man gewöhnt sich an alles, habe ich heute gemerkt, als ich mich auf dem Weg zur Eisdiele richtig darauf gefreut hab, DRINNEN im klimatisierten Raum mein Eis zu essen, anstatt gemäß bayerisch-italienischer Straßencafé-Kultur im Freien... :-)

Die Hitze ist also nichts Neues. Was noch? Weihnachten kommt. Wirklich? Das ist wirklich die skurrilste Adventszeit, die ich je verbracht habe: Es ist Hoch-Sommer, wie ich ihn bisher nur aus Israel kenne. Es gibt dementsprechend natürlich keinen Schnee (den gibts hier ja nicht mal im Juli), keine Kälte, keine roten Nasen, die man sich am Glühwein-Dampf aufm Christkindlmarkt aufwärmt, denn natürlich gibt es auch weder Glühwein noch Christkindlmärkte. Das Phänomen Adventskranz kennen nur Handarbeitslehrerinnen, wie ich festgestellt habe, und die argentinischen Kinder müssen auch völlig ohne die Stütze eines Adventskalenders mitzählen, wann denn nun genau das Christkind – äh, Papá Noel - kommt (wobei, Adventskalender mit Schokolade wären bei den Temperaturen sowieso eher unvernünftig...). Der Nikolaus ist natürlich hier genauso unbekannt wie sein netter Kollege, der Krampus, das heißt, ich habe am 5. Dezember abends auch nicht meine Stiefel/Flipflops vor die Tür gestellt. Als ich einmal vorsichtig gefragt habe, ob man hier denn eigentlich auch Weihnachtsplätzchen backt, kam postwendend die Antwort: Bei dem Wetter den Ofen einschalten?? Das hört sich jetzt alles so an, als ob Weihnachten hier nicht existieren würde. Nein, so ist es natürlich auch wieder nicht: Es herrscht schon ein bisschen Feststimmung, die wichtigste Frage für alle im Small Talk ist momentan immer, wie und wo man denn die Feiertage verbringt, im Radio beginnt beinah jede Werbung mit “Hohoho” (wobei sich das eher anhört wie “Chochocho”, denn die Argentinier können kein H aussprechen ;-)), der Hauptplatz erstrahlt nachts im Glanz der bunten Lichterketten in den Bäumen (sprich “subtropischen Hartlaubgewächsen”, in der Kathedrale ist schon eine Krippe aufgestellt, und seit Montag (Mariä Empfängnis) stehen in vielen Wohnungen tatsächlich schon äußerst farbenfroh geschmückte kleine Plastik-Tannenbäumchen. Nachdem ich in den Weihnachtsramsch-Läden, die in den vergangenen Wochen wie Pilze aus dem Boden gesprossen sind, gesehen hab, dass Papá Noel wie in den USA Wintermantel, Zipfelmütze und Stiefel trägt, tut er mir fast ein bisschen leid... Er wird sich in der Weihnachtsnacht einen Hitzschlag holen... :-D Neulich habe ich einmal nachgefragt, was denn auf der Straße immer so knallt in letzter Zeit, und jetzt weiß ich, dass hier auch Weihnachten, nicht nur Silvester, mit Feuerwerk begangen wird. Von wegen Stille Nacht also... Weihnachten ist hier wohl mehr ein Fest als eine Feier. Bin mal gespannt...

Apropos Weihnachtsnacht: Mein Plan ist derzeit, Weihnachten mit Belén und Sofia in Quimilí zu verbringen, das ist der kleine Ort 200 km östlich von hier, aus dem sie stammen und wo auch heute noch ein großer Teil ihrer Verwandtschaft wohnt, inklusive dem Vater, der dort ein Restaurant hat. Die Pläne sind aber eher grob ausgemacht, denn seit meiner Rückkehr aus Patagonien leben Hund Tomy und ich mehr oder weniger alleine in der Wohnung und ich sehe die Mädels eher selten. Das liegt daran, dass Belén momentan bei ihrer Großmutter schläft, der es nicht so gut geht, und Sofia war ja schon immer so, dass sie einfach mal drei Tage bei ihrer Mutter bleibt oder den ganzen Tag mit Pablo, ihrem Freund unterwegs ist und nur zum Schlafen heimkommt. Naja, ich hoffe, dass diese Situation kein Dauerzustand bleibt, weil alleine wohnen wollte ich eigentlich nicht... :-P Aber Tomy hat mich mittlerweile echt schon in sein Hundeherz geschlossen, nicht nur, weil man die Hand, die einen füttert, nicht beißt, sondern vor allem, weil ich mit ihm – im Gegensatz zu Belén – doch ein paar Mal pro Woche spazieren gehe :-) Heute Nacht durfte er dann zum ersten Mal bei mir im Zimmer schlafen (normalerweise schläft er nämlich immer bei Sofia, von daher ist er wohl in den Nächten besonders einsam...), und er hat sich ganz brav vor mein Bett gelegt und war still. Also wenn irgendwann mal Hund, dann so einen! :-)

Was gibt es sonst zu berichten? Seit etwa einem Monat gehe ich samstags immer zum Salsa-Tanzkurs, mit Belén oder ihrer Freundin Vanessa oder Eugenio (ist natürlich ideal, wenn man seinen Tanzpartner gleich mitbringt :-D auch wenn hier der Männermangel in den Tanzschulen nicht so ausgeprägt ist wie in Deutschland) oder wer sonst grad so Lust hat. Hab mir gedacht, das gönne ich mir noch, das zu lernen, ist zwar nicht direkt typisch für die Gegend hier (daher können es auch so viele meiner Freunde noch nicht), aber Spaß machts auf jeden Fall, und es kostet nur 5 Pesos (€ 1,20)!

Seit vergangener Woche bin ich außerdem in der Rolle der Deutschlehrerin für eine junge Anwältin, die ab Juli mit einem Stipendium nach Deutschland möchte und jetzt in einem halben Jahr von 0 auf 100 kommen möchte... Bin ja da eher bissl skeptisch ;-), aber gut, einen Anfang kann man ja machen. Ich darf mir von Eugenio, der ja auch seit zwei Jahren Deutsch lernt, seine Bücher und Aufzeichnungen ausleihen, und dann geht das schon irgendwie. Reich werden tu ich davon natürlich nicht, aber ich sehs als nette Erfahrung (hab noch nie so direkt darüber nachgedacht, wieso wir im Deutschen eigentlich die Nomen groß schreiben müssen und wieso die konjugierte Verbform für das höfliche “Sie” identisch mit dem Infinitiv ist... ;-)), und momentan hab ich ja auch die Zeit dazu.

Diese Woche hatte ich dann noch das Vergnügen, die argentinische Bürokratie und Amtsgänge kennen zulernen: Ich bin ja hier mit Touristen-Visum eingereist, weil ein Studenten-Visum ziemlich aufwändig ist und meine Uni hier deshalb keins verlangt. Mit dem Touristen-Visum darf man 90 Tage im Land bleiben, dann sucht man sich halt einen Grenzübergang, macht einen Tagesausflug (so wie ich zum Beispiel im September in Iguazú einen Tag lang auch im brasilianischen Nationalpark war) und reist wieder nach Argentinien ein, mit weiteren 90 Tagen Visum. So machen das irgendwie alle Ausländer, die nicht von anderer Seite (also z.B. Uni) ein richtiges Visum haben müssen, und die argentinischen Behörden wissen auch ganz gut, dass es so läuft. Naja, jedenfalls wären heute meine 90 Tage seit Iguazú abgelaufen, aber ich hatte in den letzten Wochen einfach keine Gelegenheit, aus- und wieder einzureisen, weil ich nirgendwo in Grenznähe war, und um einfach so 12 Stunden Busfahrt nach Bolivien (von hier aus das nächste Ausland) mit eintägigem Aufenthalt und anschließender 12-stündiger Rückfahrt zu machen, waren mir erstens Zeit und Geld zu schade und zweitens gab es niemanden, der das mit mir hätte machen können. Also habe ich diese Woche bei der Ausländerbehörde eine Verlängerung meines Visums um weitere 90 Tage beantragt. Das geht auch ohne größere Probleme, denn wie gesagt, die wissen eh, dass man halt ansonsten einfach für einen Tag ausreist. Kein Vergleich also mit europäischen Gesetzen... Ich erzähl euch hier einfach die ganze Geschichte, damit ihr euch ein Bild davon machen könnt. Wen es langweilt, einfach überspringen :-) Nun gut, ich bin zuerst zu der Polizeistelle der Nationalpolizei gegangen, wo man z.B. auch Reisepässe kriegt, weil die wurden mir von den Santiagueños als Ansprechpartner empfohlen. Dort lief im Empfangsbereich der Fernseher, irgendwas à la Discovery Channel, und ich wurde eingeladen, mich doch dazuzusetzen, bis man mir helfen konnte :-). Der herbeigerufene Polizist aus der Reisepass-Abteilung konnte mir dann aber nur sagen, dass die Zuständigen für Migraciones für Ausländer vor kurzem umgesiedelt wurden, aber wohin genau wisse man nicht, also haben sie mich zu einer anderen Polizeistation geschickt, diesmal die Provinzpolizei. Als ich die endlich mit der Hilfe eines netten Gärtners gefunden hatte, standen an der Empfangstheke wieder 5 Polizeibeamte rum, hörten Musik und ratschten. Sie haben sich also sehr gefreut, dass ich kam, und haben sich allesamt bemüht, mir zu helfen: Dort war ich zwar auch falsch, aber ein Beamter hat dann telefoniert, ein anderer persönlich nachgefragt, der erste hat mir dann die korrekte Adresse und Ansprechpartner gesagt, eine andere Polizistin hat mir das dann noch aufgeschrieben, und währenddessen haben mir zwei weitere Polizisten ein Glas Cola eingeschenkt, denn ich sah wohl etwas abgekämpft aus vom Rumlaufen in der Hitze :-) Endlich an der richtigen Dienststelle angekommen, hatte ich erstmal Angst vor der langen Schlange, die dort wartete, bis ich herausfand, dass die alle nur ein Führungszeugnis beantragen wollten und ich deswegen nicht in der Schlange warten musste. Leider erfuhr ich dann, dass die beiden für mich zuständigen Beamten nur vormittags da waren (2 Halbtagskräfte für sämtliche Ausländerangelegenheiten in der Provinz... Ist ja jetzt nicht gerade die Immigranten-Hochburg...), also musste ich am andern Tag wiederkommen. Der Herr (Walter :-)) war dann auch echt nett (hat mich von Anfang an geduzt, ein Unding in deutschen Behörden), wusste auch gleich, wie der Hase läuft, hat aber von sich aus gesagt, er versteht das mit dem Visum voll, denn er weiß von anderen Deutschen (kommen wohl jedes Jahr welche bei ihm vorbei :-)), wie kompliziert es ist, ein Studentenvisum zu bekommen. An jenem ersten Morgen konnte er mir jedoch aus irgendeinem Grund nicht gleich helfen, sondern hat mich für Freitag früh um 8 hinbestellt. Also, am nächsten Morgen erneut hingehen, und dann hat das insgesamt bis nach 11 Uhr gedauert... Zuerst hat er meine Daten erfasst, natürlich handschriftlich, für seine Kartei. Dann musste er diese Daten per Telefon nach Tucumán (größte Stadt im Nordwesten Argentiniens, dort sitzt sozusagen die übergeordnete Stelle für Ausländerangelegenheiten) durchgeben, denn nur die haben auch Zugriff auf die zentrale Datenbank und konnten ihm dann meine persönlich zugeteilte Touristen-Einreise-Nummer sagen, die ich im September in Iguazú bekommen habe. Währenddessen ist dort natürlich das System abgestürzt, also hat das ein bisschen gedauert. Anschließend musste ich dann die Gebühr von 100 Pesos zahlen, allerdings nicht bar vor Ort in der Dienststelle (wohl, um Korruption zu unterbinden...), sondern direkt bei der Bank auf ein Konto einzahlen. Wenn denn das so einfach gewesen wäre... Da der zuständige Beamte für die Provinzpolizei arbeitet, allerdings Aufgaben der Nationalpolizei übernimmt, gingen von den 100 Pesos 80 auf das Konto der Nationalpolizei bei der Banco de la Nación und 20 Pesos auf das Konto der Provinzpolizei bei der Banco de Santiago del Estero. Und natürlich hat mir der Polizist für jede dieser Einzahlungen Wische mitgegeben, in einem Fall war es ein Blatt mit 5 abreißbaren Einzelblättern, das heißt, er hat fünfmal das Gleiche handschriftlich ausgefüllt, denn zwei dieser Zettel blieben bei der Bank und zwei bei ihm und einer für mich... Kohlepapier wäre doch da schonmal eine echte Hilfe... :-D Naja, ich bin dann also in zwei Banken am Einzahlschalter Schlange gestanden und anschließend wieder zurück zu ihm. Dann hat er mir endlich den Stempel mit Zweitstempel und Unterschrift in den Pass gemacht, aber was für einen, mit einer Sorgfalt und Genauigkeit, da könnte sich jeder Grenzbeamte, der am Tag Hunderte von Pässen stempelt, entweder eine Scheibe abschneiden oder verzweifeln über soviel Ineffizienz :-) Dann gabs noch ein extra Dokument, wo nochmal genau draufstand, wer ich bin und dass ich eine Verlängerung bekommen hab. Das hab ich dann auch noch unterschrieben und dachte schon, endlich geschafft, aber dann wurde ich zum Kopieren all dieser Unterlagen geschickt, inklusive aller 32 (großteils leeren) Seiten meines Reisepasses... (Kopieren kostet schließlich Geld, also muss das hier in Argentinien jeder immer selber machen). Natürlich wieder mit genauer Anleitung (drei von dem, zwei von dem, vorne und hinten, und das hier bitte auf jenem speziellen Papierformat etc.). Als ich dann wiederkam, war mein Beamter grad in einer Besprechung (ich dachte schon, er hätte außer mir gar nix anderes zu tun... :-D), und da außer ihm niemand wusste, wie es nun weitergeht mit meinem vielen Papierkram, habe ich mit seinem Kollegen geratscht, dem diese halbe Stunde Arbeitspause sehr willkommen war. Dann haben wir den Kopiensalat sortiert und ich war frei, für weitere drei Monate im Land geduldet und um eine spannende Erfahrung reicher :-)

Apropós um eine Erfahrung reicher... Am 30. November war hier Wahl auf Kommunal- und Provinzebene. Das war echt eine Erfahrung... leider eher der traurigen Art... Ich möchte das hier auch ziemlich genau schildern, allein schon für mich später, von daher entschuldigt bitte die Ausführlichkeit, wenn es euch nicht interessiert. Schon seit meiner Ankunft liefen in Fernseher und Radio Werbungen einzelner Provinzministerien (Gesundheit, Bildung,...), die lobten, was der jetzige Gobernador in den letzten 4 Jahren alles Tolles für die Entwicklung der Provinz gemacht hatte, also dort eine Schule gebaut, hier einem Dorf Wasserleitungen gelegt, den Staudamm erneuert,... (gut, hat er wirklich, aber das war auch nicht schwer, denn vor ihm hatte Santiago jahrzehntelang den gleichen Typen an der Regierung, der diktatorähnlich die Leute dumm und klein hielt und wenig in Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung investierte). Welch ein Zufall, dass diese Propaganda-Filmchen ausgerechnet in den Monaten vor der Wahl rauskamen... Etwa ab Anfang Oktober wurde dann die ganze Stadt mit Wahlplakaten des Amtsinhabers zugekleistert, und das meine ich wortwörtlich: Jeder Laternenmast, jeder Straßenpfosten hatte sein Gesicht draufgeklebt, und viele Häuser, gerade in den ärmeren Vierteln der Stadt, erhielten plötzlich einen neuen – von der Partei bezahlten – Anstrich, mit dem kleinen Nebeneffekt, dass die ganze Hausmauer mit Wahlsprüchen bemalt war... Von den Gegenkandidaten erfuhr man in der Öffentlichkeit erst so etwa vier Wochen vorher, wo hätten sie auch ihre Wahlplakate noch hinkleben sollen... Kundgebungen und Umzüge durch die Stadt gab es in diesen Wochen auch reichlich, ich habe allerdings immer nur welche von Unterstützern des Amtsinhabers gesehen... Da wurde dann schonmal die vierspurige Hauptstraße von Santiago gesperrt und die Busse mussten schauen, wie sie dann einigermaßen ihre Ziele abklappern sollten. Diese Wahlkampfveranstaltungen bestanden dann im Prinzip aus einem Haufen Leute mit Wahlkampf-T-shirts (auch Kinder, für die das Ganze eine lustige Abwechslung war), die entweder zu zehnt in Pickups hupend durch die Straßen gefahren wurden oder in Massen auf der Straße rumstanden und ihren täglichen Plausch abhielten. In der Woche vor der Wahl setzte der Gobernador dann meiner Meinung nach dem Ganzen die Krone auf: In Santiago wurde ja seit 2006 oder so an einem neuen Bus-Terminal gebaut, das modernste im ganzen MERCOSUR (= Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay). Eigentlicher Fertigstellungstermin war schon vor geraumer Zeit, aber den hat der gute Mann möglicherweise aus wahlkampftaktischen Gründen noch ein bisschen verschoben, so dass der Busbahnhof dann am Donnerstag vor dem Wahlsonntag mit Pauken und Trompeten (und Salve-Schüssen) eingeweiht wurde. Christina Kirchner, Argentiniens Präsidentin und gute Partei-Freundin des Gobernadors von Santiago (deshalb hat er derzeit auch so viel Geld für die Provinz zur Verfügung, denn in Argentinien läuft die Umverteilung nicht wie in Deutschland nach dem Prinzip “Wer weniger hat, kriegt mehr” sondern zumindest partiell danach, ob du Freund oder Feind der Regierungspartei bist...) war auch zur Einweihung eingeladen, kam aber dann letztendlich wegen eines Unwetters nicht, lobte aber per Videobotschaft den Gobernador als “eine der besten Provinz-Regierungen, die Argentinien derzeit hat” (was dann natürlich am nächsten Tag in allen Zeitungen auf der Titelseite stand). Am Freitag Abend wurde dann noch – was für ein Zufall – das neue Kinderkrankenhaus von ihm eingeweiht... Dann der Wahlsonntag: In Argentinien ist Wählen ja kein Bürgerrecht, sondern eine Pflicht, und im Ausweis gibt es dafür extra ein paar Seiten, wo abgestempelt wird, wenn man gewählt hat. Offiziell muss jeder zur Wahl, außer Bürger über 65 (oder so) und diejenigen, die sich am Wahltag aus einem triftigen Grund (der in der nächstgelegenen Polizeidienststelle darzulegen ist) weiter als 200 km von ihrem Wohnsitz befinden, ansonsten ist eine Geldstrafe zu zahlen. In der Theorie, denn in der Praxis passiert wenig, wenn man nicht wählen geht (außer man möchte irgendwann für die Regierung arbeiten, dann könnte das ein K.O.-Kriterium sein, hat man mir gesagt), und die Wahlbeteiligung ist auch nicht höher als z.B. in Deutschland. Aber gut, theoretisch muss jeder Bürger an dem Tag zum Wahllokal, und da bietet die Regierung Santiagos einen netten Service an: kostenlose Taxis für genau diesen Zweck. Jeder, der an dem Tag Auto und seine eigene Arbeitskraft entbehren kann, stellt sich also als Taxi zur Verfügung, dazu kommen die ganzen normalen Taxis. Dieser Dienst wird kräftig entlohnt, dafür muss man allerdings hinnehmen, dass sein Auto mit Wahlaufklebern des Gobernadors vollgeklebt wird. Von Unabhängigkeit kann also keine Rede sein, wenn du zum Wählen kutschiert wirst in einem Auto, dass dir sozusagen schon vorschreibt, wem du diesen Service zu verdanken hast und an welcher Stelle du dann wohl dein Kreuzchen machen solltest... In den ärmeren Vierteln wurden die Leute mit Tüten voller Lebensmitteln geködert, die ihnen vor den Wahllokalen ausgeteilt wurden (offiziell im Abstand von 30 m oder so, denn sonst ist es ja zu offensichtliche Beeinflussung)... Ich weiß das alles so genau, weil Eugenio und sein Vater an diesem Tag auch als Taxi-Fahrer gearbeitet haben, um ein bisschen zusätzliches Geld zu verdienen. Ich selber war mit Eugenios großer Schwester beim Wählen dabei, fand ich sehr nett, dass sie mich mitgenommen hat. Vor jedem Wahllokal (das sind auch hier Schulen und ähnliche Einrichtungen) stand ein Polizist, und die Lokale sind nach Männern und Frauen getrennt, wohl um das Abhaken in den Listen zu erleichtern. In dem Wahllokal, wo wir waren, gabs etwa fünf Tische (wieder alphabetisch aufgeteilt, so dass man genau zu einem bestimmten hingehen musste), alle Frauen standen Schlange, dann musste man seinen Ausweis hergeben, der Name wurde in der Liste durchgestrichen und man erhielt einen geschlossenen Briefumschlag mit den Wahlunterlagen. Dann gab es genau eine Wahlkabine, man musste also warten, bis die Vorgängerin wieder herauskam, warf dann den Umschlag in die Wahlurne und bekam seinen gestempelten Ausweis wieder.

Und das Ergebnis der Wahl? Der bisherige Gobernador gewann eine zweite Amtszeit, mit 84 % Zustimmung... Welche Überraschung... Traurig, traurig... (Obwohl sich die CSU nach einem solchen Wahlergebnis die Finger abschlecken würde :-D)

Heute nachmittag fahre ich mit Tobi, Stephie (die Deutsche, die grad auf Besuch da ist im Haus von Doris' Vermieterin) und zwei Argentiniern in den berühmt-berüchtigten “Patio del Indio Froilán”. Der Señor Froilán Gonzalez baut Trommeln und liebt Folklore-Musik und macht deswegen jeden Freitag ein Tanzfest in seinem riesigen “Garten”. Und vom ersten Tag an wird mir von allen Seiten gesagt, dass ich da mal hin muss, um Folklore zu tanzen, aber bisher hab ichs nie geschafft. Heute ist es also soweit, freu mich schon!

14.12.08 16:07


Chubut (Patagonien): von B(artwal) bis S(eelöwe)

Letzten Freitag (14.11.) bin ich früh morgens aufgebrochen, um zur Península Valdés zu fahren, eine Halbinsel an der Atlantikküste in der Provinz Chubut, also schon Patagonien (Süd-Argentinien), das UNESCO-Welterbe ist und idealer Ort, um viele Tiere zu sehen, die ich in meinem Leben noch nie gesehen hab (ok, außer im Zoo, aber das zählt nicht): Absoluter Besuchermagnet sind die Wale, die sich ein halbes Jahr in der Bucht aufhalten, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Aber schön der Reihe nach:

Ich bin alleine aus Santiago gestartet, weil ich ja die Woche zuvor nicht mit Doris und Lisa nach Buenos Aires gefahren bin (wegen meinem Politik-Seminar, das ich noch zweimal die Woche habe). Doris hat sich in Buenos Aires mit Steffi getroffen, die vor einigen Jahren in Santiago war und jetzt zum Besuch aus Deutschland hergeflogen ist. Die beiden sind dann eben von Buenos Aires aus nach Puerto Madryn losgefahren, die Atlantik-Küste runter, und ich bin einmal quer durch die argentinische Pampa getigert, die Busfahrt hat 28 Stunden gedauert. Ich dachte erst, ich würde sterben vor Langeweile, aber irgendwie vergeht die Zeit schon: In den Reisebussen hier kann man ja nachts echt gut durchschlafen, alle paar Stunden gibts eine Pinkelpause (im Bus ist natürlich auch ein Klo), man wird meist auch ganz anständig durchgefüttert, und alle paar Stunden (;-)) ändert sich dann auch die Landschaft draußen vorm Fenster ;-)

Ich kam dann also Samstag Mittag relativ ausgeruht in Puerto Madryn an, eine kleine Hafenstadt an einem der beiden Golfe, die zur Halbinsel gehören. Dort hab ich mir erstmal Mittagessen besorgt und mich dann damit an den Strand gesetzt. War sehr schön, mal wieder am Meer zu sein, auch wenn das Wasser noch zu kalt war zum Baden (was ein paar Verrückte natürlich nicht wirklich gestört hat ;-)). Am Nachmittag sind dann auch Doris und Steffi eingetroffen und wir haben erstmal einen Schlachtplan für die kommenden 3 Tage entworfen. Nach einem Besuch im EcoCentro, einem netten aber meiner Meinung nach völlig überteuerten Infozentrum, wussten wir zumindest in der Theorie schon mal Bescheid über die Flora und vor allem Fauna der Halbinsel Valdés, die wir am andern Tag besuchen wollten. Im Anschluss an einen kleinen Strandspaziergang waren wir dann noch Fisch essen und das Urlaubsfeeling war perfekt. :-)

In das Naturreservat auf der Halbinsel kommt man (außer mit dem Auto) am leichtesten im Rahmen einer Exkursion. Da uns die Fülle der Agenturen, die solche Ausflüge anbieten, sowieso erdrückt hätte, haben wir einfach über unser Hostel gebucht. Im Endeffekt machen aber alle exakt das gleiche Programm (man trifft immer wieder auf dieselben Reisegruppen während des Tages) zum ähnlichen Preis.

Wir sind also dann am Sonntag frühmorgens in einem Kleinbus auf die Halbinsel gefahren und sind dann auch gleich an den einzigen bewohnten Ort von Valdés gefahren, Puerto Pirámides, von wo aus die Boote losfahren, um in der Bucht die Wale zu beobachten. Kurz zu den Walen: Jedes Jahr von Juni bis Dezember kommen bis zu 1500 Südkapern - auch Südliche Glattwale genannt und zu den Bartwalen zählend - nach Valdés, um sich zu paaren und ihre Jungen zur Welt zu bringen. Als wir dort waren, waren ca. 500 Tiere in der Bucht, es gibt also 100%ige Sichtgarantie :-) Im Oktober hätte man die Wale teilweise auch vom Ufer aus sehen können. Kommt halt immer drauf an, wann man gerade dort ist, denn es sind eben Wild-Tiere und kein Zoo. Wir haben auch wirklich einige Wale gesehen, teilweise nur einige Meter von unserem Boot weg. Ich habe natürlich wie alle anderen auf dem Boot versucht, Fotos zu machen, habe aber schnell festgestellt, dass Filme hier besser funktionieren. Ich habe nämlich ziemlich viele Fotos vom Meer, bei dem sich die Wasseroberfläche noch ein bisschen kräuselt, weil da gerade ein Wal untergetaucht ist :-) Generell haben die Wale jetzt keine Free-Williy-Show abgezogen, von wegen aus dem Wasser Rausspringen und so, sondern sind eher mal ruhig mit dem Kopf aus dem Wasser geglitten, um Luft zu holen...

(Die Geschwülste sind übrigens völlig normal und so individuell, dass die Wissenschaftler anhand derer jeden einzelnen Wal identifizieren können)

 


... oder haben uns majestätisch ihre Schwanzflosse entgegengestreckt (die übrigens völlig knochenlos ist, wie man im Museum anhand des Walskeletts sehen konnte):

 

Ziemlich lange hat uns dann auch eine Walkuh mit ihrem 5 Monate alten Baby (das immerhin schon 5m lang war ;-)) begleitet. Das Baby ist weiß und dunkelt dann im Lauf der Zeit nach.

 

Tut mir leid, das mit den Fotos ist immer noch nicht ideal, ihr müsst sie nachwievor meist noch mit Rechtsklick anklicken, um sie ganz zu sehen, denn die Fotos sind nach rechts hin immer abgeschnitten. Ich kann sie nicht kleiner/schmäler machen, und die Ferndiagnose durch Mathias hat das Problem irgendwie auch noch nicht vollständig lösen können...

Jedenfalls, als wir dann wieder festen Boden unter den Füßen hatten, ging es im Kleinbus weiter quer über die Insel zu verschiedenen Aussichtspunkten entlang der Küste. Am ersten, dem Punta Norte (von wo aus man zu anderer Jahreszeit übrigens auch Orcas beobachten kann), lagen dann auch schon die See-Elefanten ganz faul am Strand herum wie ein Haufen Kartoffelsäcke:

 

Auf der Halbinsel leben im Übrigen auch noch Guanacos (eine Art Lama, nur mit rötlichem Fell), eine Straußenart namens choique (gehört zu den Nandus), Gürteltiere (pichis), Kondore (und viele andere Vögel) und maras, auf Deutsch Pampashase, sieht aus wie eine Kreuzung aus Hund und Hase, ist aber mit den Meerschweinchen verwandt (der argentinische Wolperdinger?). Hab von fast allem Fotos, aber wenn ich die hier auch noch reinstell, wirds schon sehr voll...

Dann haben wir uns noch eine kleine Pinguin-Kolonie angeschaut, aber die Reiseführerin, die im Übrigen eine ziemliche Bissgurke war, hat dann gemeint, sie lässt uns da jetzt nur fünf Minuten und erzählt auch gar nicht viel zu den Pinguinen, weil es gibt ja schließlich noch eine extra Exkursion zur größten Magellan-Pinguin-Kolonie Südamerikas (Punta Tombo) und man solle doch die machen, wenn man Interesse an Pinguinen hätte... Offensichtlichere Geldgier gibts ja wohl gar nicht, oder? Naja. Unabhängig davon wollte ich diese Pinguinkolonie sowieso sehen, weil man dort mit den Pinguinen beinah auf "Tuchfühlung" gehen kann. Doris und Steffi sind kurz vorher abgesprungen, da sie ja die Tage zuvor im Buenos Aires auch schon volles Programm hatten und mal einen Tag Auszeit wollten.

Also bin ich am nächsten Tag alleine - diesmal mit einer anderen Reise-Agentur ;-) - aufgebrochen, wieder im Mini-Bus, diesmal nach Süden. Zunächst haben wir am Hafen von Rawson Halt gemacht und mal wieder ein Boot bestiegen, diesmal, um toninas - das sind kleine schwarz-weiße Delfine - zu sehen. Tja... wie soll ich sagen... Gesehen haben wir sie auch ein paar Mal, aber mehr so "Ah, schaut, da drüben springen sie!" - "Ah, ich seh sie!" - "Schon wieder weg"... ;-) Ich habe also leider kein einziges Foto, aber Wikipedia weiß ja alles, wens also interessiert: http://de.wikipedia.org/wiki/Commerson-Delfin ;-) Ach ja, in der Hafenbucht war dann noch ein Rudel (sagt man das so?) Seelöwen.

Im Anschluss gings dann nochmal gute 100 km weiter nach Punta Tombo, eine kleine felsige Landspitze, auf der zur Hochsaison (also jetzt dann demnächst) mehr als 1 Million Magellan-Pinguine auf 180 Hektar leben. Als ich dort war, war es "nur" eine halbe Million, aber für mich ausreichend ;-) Man wandert erstmal einen langen schmalen Pfad entlang, und links und rechts brüten schon überall die Pinguine in ihren grubenartigen Nestern. Die Magellan-Pinguine kommen immer im September an diesen Ort, jedes Jahr ans gleiche Nest, mit derselben Partnerin, ein Leben lang. Und jedes Jahr im Oktober/November legt die Pinguin-Dame zwei Eier, die dann von beiden Elternteilen im Wechsel ausgebrütet werden. Mitte November, also in der Woche, in der ich da war :-) schlüpfen dann schon die ersten Küken und spätestens im April müssen alle schwimmen können, denn dann geht es ein halbes Jahr auf See, ohne das Wasser je zu verlassen. Die Pinguine lassen sich mit dem antarktischen Meeresstrom nach Norden, nach Brasilien treiben, um zu fressen, und im September geht die Reise mit dem brasilianischen Meeresstrom eben wieder runter nach Patagonien, das Männchen sucht das Nest, macht es sauber, seine Partnerin vom Vorjahr kommt, sie paaren sich, zwei Eier, ihr erkennt das System :-)

Jetzt relativ kommentarlos ein paar Fotos: ;-)

 

 

 

Bei der Rückfahrt wird dann, auch um die lange Strecke (von etwa 200 km) etwas aufzulockern (so scheint es mir) immer noch Halt in einem Örtchen namens Gaiman gemacht. Die vielen englisch/walisisch klingenden Namen dort in der Gegend haben nämlich auch ihren Ursprung: Die Provinz Chubut wurde überwiegend von Walisern besiedelt, die wohl aus Frust vor englischer Vorherrschaft ausgewandert sind und sich an der Atlantikküste mit dem milden Seeklima ganz wohl fühlten. In Gaiman gibt es - natürlich auch für die Touristen extra hochgepusht - eine "typisch" walisische Teehäuser und wir wurden in einem davon mit so viel süßem Kuchen gefüttert, dass ich dachte, 3 Tage nix mehr essen zu können (außerdem musste ich dran denken, was mein Opa früher immer gesagt hat, wenn ich zu viel zuckrige Marmelade ins Jogurt gelöffelt hab... So von wegen "zambicka" und so ;-))

Insgesamt war dieser Tagesausflug aber ganz nett, in meiner Reisegruppe waren fast nur Spanier, und einige ältere Damen wussten innerhalb kürzester Zeit meinen Namen und hätten mich wohl am liebsten adoptiert :-D

Den Abend verbrachten wir drei Mädels dann wieder zusammen und haben gekocht (in letzter Zeit schauen wir immer, dass unsere Hostels eine Küche haben, spart doch deutlich Geld...).

Am Dienstag war dann schon unser letzter Tag in Puerto Madryn, und da Doris und Steffi für ihre Weiterreise in den Süden keinen anderen Bus mehr als nachmittags um 4 erwischt hatten, blieb nicht mehr so viel Zeit um was zu machen. Wir waren allerdings dann noch Ausreiten am Strand, was auch nicht ohne war :-) Vor allem, weil es die Pferde gewohnt waren, durchs Meer zu waten und über die Sanddünen zu preschen :-)

Ich habe dann den Nachmittag noch alleine in der Stadt verbracht, weil ich meine Rückfahrt ja schon lange vorher für abends um 10 gekauft hatte. Ich war noch im örtlichen "Naturkundemuseum", das erstens - mit ein bisschen Tricksen - für mich kostenlos war (für Touristen sind in Argentinien die Eintrittspreise immer gestaffelt: Ausländer zahlen meist um ein Vielfaches mehr als Bewohner bzw. Staatsbürger, und je nachdem, wie streng es gehandhabt wird, komme ich oft ohne Nachweis als "Bewohnerin" durch), und zweitens viel netter gemacht war als das monströse EcoCentro, wo wir gleich am ersten Tag drin waren. Anschließend hab ich noch Postkarten gekauft und als ich ins Hostel zurück bin, um meine Sachen abzuholen, haben mich die Besitzer spontan zum Abendessen eingeladen (Reis mit Meeresfrüchten), wo ich dann nicht Nein gesagt habe :-). Als Gegenangebot habe ich ihnen meine Email-Adresse dagelassen, mit dem Versprechen, ihnen alle ihre Hinweisschilder und Informationssettel, die sie im Hostel verteilt haben, auf Deutsch (und endlich ordentliches Englisch, das nicht von einer Übersetzungsmaschine kommt) zu übersetzen. Bisher hab ich allerdings noch nix bekommen... :-)

Ja, und dann gings wieder 28 Stunden zurück nach Santiago del Estero. Während dieser Reise hab ich oft an meine Mama denken müssen, für die es wohl ein einziger Horrortrip geworden wäre: Erst 28 Stunden Bus fahren, dann jeden Tag 500 km im Kleinbus durch die Gegend tuckern und in kleinen Booten auf dem Meer rumschaukeln, um anschließend wieder 28 Stunden im Bus zurückzufahren... :-D

Aber ich bin ja wohlbehalten wieder angekommen und habe nur einen kleinen Sonnenbrand auf der Nase, kombiniert mit meiner ersten Erkältung hier in Argentinien, mitgebracht. :-)

So, fertig!! 

 

25.11.08 16:28


Wieder da...

Gestern morgen bin ich von meiner 6-tägigen Reise nach Patagonien zurückgekommen. Dazu schreibe ich einen extra Bericht im Anschluss an diesen. Hier geht es jetzt kurz um die Woche vor meiner Abreise, also vom 09.-14.11.

Meinen letzten Eintrag habe ich ja während des Stromausfalls Samstag Abend geschrieben, wo ich nur bei Laptop- und Handy-Display-Beleuchtung in der Wohnung saß und drauf wartete, dass das Licht wieder anging, um mich Duschen zu können :-) Das Licht ging letztendlich nicht wieder an (und wo die Kerzen sind, wusste ich damals auch noch nicht), ich hab dann im fast Finstern (eben Laptop :-)) geduscht und musste anschließend Tomy, unseren Hund, im Stockfinstern bei Regen alleine in der Wohnung lassen, denn ich war bei den Peruanerinnen eingeladen (falls ich nie von denen erzählt hab: es gibt an meiner Uni außer uns 4 Deutschen noch drei peruanische Austausschstudenten, zwei davon wohnen zusammen, die dritte versteckt sich irgendwie...). Sie wollten zum Abschied von Lisa und Doris (die beiden sind am andern Tag aus Santiago abgereist, Lisa um zurück nach Passau zu fahren, Doris, um in den Süden zu reisen) noch ein gemütliches Beisammensein machen. Dass ich mich für diesen Abend im Dunkeln anziehen und zurechtmachen musste, war hinterher eh völlig egal, denn sowohl beim Warten auf den Bus als auch beim Sprint von der Haltestelle zu ihrer Wohnung wurde ich klatschnass und kam sowieso wie ein begossener Pudel an ;-) Jetzt weiß ich zumindest: Regen ist in Santiago im Winter und Frühling zwar eine Seltenheit, aber wenn er mal kommt, dann gleich ziemlich heftig...

Es hat dann auch die ganze Nacht fleißig weitergeregnet, und als ich mich dann um 4 Uhr früh mit 3 anderen Leuten auf Taxi-Suche begab, um heimzukommen, fiel mir zum ersten Mal ganz bewusst auf, dass die meisten von Santiagos Straßen keine Gullys haben... Und das fiel mir deswegen auf, weil wir teilweise durch 15cm tiefe Sturzbäche waten mussten, um zur Hauptstraße vorzukommen, denn in den überschwemmten Straßen fuhren natürlich auch keine Taxis mehr. Der Strom blieb daheim übrigens fast bis Sonntag Mittag weg, und bis Montag nachmittag kamen immer wieder heftige Schauer runter, leider immer ziemlich unerwartet, so dass ich an dem Wochenende wirklich oft genug baden gegangen bin.

Am Sonntag (also am 10.11.) sind dann wie gesagt abends Lisa und Doris aus Santiago aufgebrochen, und am Montag habe ich dann auch Tobi zum Bus-Terminal gebracht. Tobi ist der Vierte im Bunde der Passauer. Er flog für 2 Wochen in die USA um sein Praktikum vor Ort zu regeln, kommt dann aber für den Dezember wohl wieder her. Aber momentan bin ich also noch als Einzige in Santiago (und werde das wohl auch bis März bleiben).

Dienstag bis Donnerstag war es dann wieder sehr heiß, aber ich hab mich jetzt schon besser dran gewöhnt. Mann geht einfach nur vormittags oder dann nach 19, 20 Uhr raus und versteckt sich ansonsten mit Ventilator und kaltem Wasser im Zimmer. So ab 21 Uhr lebt dann die Stadt so richtig auf und die FuZo ist zum Beispiel dann so richtig voll. Ich war an den Abenden meist mit Eugenio draußen spazieren oder im Park, weil bei uns daheim meist Full House war, denn eine der zwei Mädels hatte immer grad eine Lerngruppe da, für die ganzen Abschlussprüfungen. Und da unsere Wohnung doch sehr klein ist, gibt es außer der Küche eigentlich keine Aufenthaltsmöglichkeit. Aber die Nächte sind ja wirklich lau und schön, ich habe hier in Santiago schon längere Zeit nix Langärmeliges mehr getragen, nicht mal nachts um 3. Und es gibt auch wahnsinnig viele Grünflächen (ok, "grün" ist vielleicht nicht so ganz das richtige Wort ;-)) in der Stadt, alle paar Blocks ist ein kleiner Platz oder Park.

Am Mittwoch hatte ich - eigentlich - mal wieder mein Politik-Seminar (mit den anderen Sachen bin ich ja seit Anfang November fertig), und wir sind alle in der Hitze brav anmarschiert, und was war? Der Dozent hat uns vergessen und ist zu einem Meeting... Über seinen Hiwi (also irgendwie seinen Helfer halt) haben wir dann erfahren, dass er wohl am andern Tag auch nicht kommen könnte, weil er in der anderen (also der staatlichen) Uni Prüfungen abnehmen musste. Er ließ dann ausrichten, wenn einer von uns Zeit hätte, solle er doch bitte zu ihm ins Ministerium kommen, um zu klären, wie wir mit dem Seminar weitermachen. Die Professoren haben hier nämlich alle eigentlich einen anderen Job, und sind halt nebenberuflich noch Dozenten an der Uni. Und dieser Herr arbeitet im Gesundheitsministerium als Chef der Personalabteilung... Trifft sich ganz gut, dacht ich mir, denn ich wollte ihn schon länger wegen einem Praktikum bezirzen. Also bin ich letzten Donnerstag zu ihm ins Büro, das gleich bei mir ums Eck ist, alles natürlich im Auftrag und zum Wohl meines Uni-Kurses ;-) und hab bei der Gelegenheit gleich gefragt, ob er nicht eine zusätzliche Arbeitskraft brauchen kann. Er hat nicht abgeneigt gewirkt, obwohl sie natürlich schon immer auch Praktikanten kriegen, über so ein festes Praktikumsprogramm mit der staatlichen Uni, aber als ich noch das Zuckerl eingeworfen hab, dass er mich nicht bezahlen müsste, hat er gemeint, er würde sich auf jeden Fall erkundigen. :-)

Ja, und Freitag früh, also am 14., gings dann los in den Süden, aber dazu eben der Extra-Eintrag!

21.11.08 14:07


Wieder ein Jahr (und eine Woche ;-)) älter...

Ich sitze grad alleine bei mir daheim, wo ich seit einer Woche relativ zuverlässig Internet habe (ja, ich weiß, man soll nicht in fremden WLANs mitschnorren... :-P). Mein Laptop läuft auf Batterie, und mein Handy hat eine kleine eingebaute Taschenlampe. Das ist meine einzige Beleuchtung hier in der Wohnung, denn es herrscht mal wieder Stromausfall. Es ist schon die ganze Woche so unglaublich heiß... Jeden Tag 30-40 Grad, von etwa 11-19 Uhr ist niemand auf der Straße, jetzt, um 22 Uhr, ist es immer noch überall drückend schwül. Ich habe mir wie die Santiagueños angewöhnt, meine Wege, die ich zu Fuß zurücklege, nicht danach zu planen, was am schnellsten geht, sondern wie man möglichst durchgehend im Schatten laufen kann. Ich dusche nur noch abends, denn tagsüber bringts gar nix. Nach 2 Minuten im Freien tropft man. Aber was mich an der ganzen Sache etwas beruhigt/belustigt, ist, dass sich auch die Einheimischen irgendwie nie so ganz an ihre Hitze gewöhnt haben und genauso jammern wie ich. Jeden Tag aufs Neue besteht überall der Small-Talk aus "Hallo, wie gehts?" - "Ganz gut, aber... welche Hitze!" - "Ja genau, echt unglaublich wie heiß es ist" :-)

 Meinen Geburtstag hab ich im Übrigen wunderbar überstanden, ich habe ja am Samstag reingefeiert. Die Vorbereitungen haben mich allerdings letztendlich ziemlich viele Nerven gekostet, nicht weil es so viel oder so kompliziert gewesen wäre, sondern weil ich irgendwie von so vielen Leuten - Argentiniern - abhängig war und selber fast gar nix machen konnte, sondern immer drauf warten musste, dass sich jemand bei mir meldet oder mit mir endlich da und da hingeht oder das und das besorgt und pünktlich irgendwie abliefert. Ich sags euch, am Samstag hatte ich echt meinen Tiefpunkt, was meine Abneigung gegenüber der argentinischen Unpünktlichkeit und Planlosigkeit angeht... Ich habe zum Beispiel geschlagene 2 Stunden vorm Getränkeladen gewartet, weil mir eine bestimmte Uhrzeit angeschafft wurde, die aber nicht stimmte, man aber auch niemanden anrufen konnte und der Ladenbesitzer einfach seine Siesta etwas ausgedehnt hatte... Da möchte man als Deutscher dann schon manchmal schreiend Amok laufen... Jetzt bin ich ja auch nicht die Pünktlichkeit in Person, aber hier ist halt eine Stunde warten echt an der Tagesordnung... Naja. Bei den Temperaturen funktioniert einfach alles bissl langsamer... ;-)

Die Party selber war dann echt schön, der angemietete Saal war sehr schön, sogar bissl dekoriert, weil am Nachmittag eine Erstkommuniongruppe drin war (nun gut, die grinsenden Engel hab ich dann doch abgehängt... ;-)), es waren fast alle da, die eingeladen waren, das Wetter war so, wie ich es mir gewünscht hatte, wir haben viel getanzt...

---An diese Stelle kommen die nächsten Tage noch Partyfotos, aber ich hab so viele bekommen, da hab ich derzeit noch keinen Überblick :-)---

Offizieller Beginn war 23 Uhr, aber um Mitternacht war ich alleine mit Eugenio und - wie typisch - den zwei deutschen Mädels :-) War aber echt schön, erst haben alle drei Happy Birthday auf Spanisch gesungen und dann haben Doris und Lisa noch "Heute kann es regnen,..." für mich angestimmt. Die restlichen Gäste sind dann so ab halb 1 eingetrudelt, und um halb 8 Uhr morgens haben Eugenio und ich das letzte Auto voll Leute (sprich: 8 ;-)) rausgeekelt, indem wir angefangen haben zu putzen. :-)

Um 9 haben wir dann erstmal gefrühstückt und uns dann bis zum Mittagessen im Kreis seiner Familie schlafen gelegt. Nach dem Essen gabs dann noch das Geburtstagsgeschenk von Euge, die erste selbstgebackene Torte seines Lebens. Aber was für eine!


Den Rest des Tages haben wir gefaulenzt und die größte Hitze abgewartet, um dann noch im Park Mate zu trinken. Insgesamt also ein sehr schöner Geburtstag, Geburtstag im Sommer, das Fest schon vorher und hinterher einen ruhigen Tag ohne Telefonate und 20 SMS, die zu beantworten sind (alle Argentinier waren ja auf meiner Party, und aus Deutschland konnte man mich ja nicht anrufen). Mal was andres! :-)

 

Diese Woche habe ich dann an der Uni die letzten Klausuren hinter mich gebracht und auch schon die ersten Endnoten erfahren. Lief bisher ganz gut! Jetzt im November habe ich noch zweimal die Woche Politik-Seminar, weil wir erst im Oktober angefangen haben.

Morgen fahren Doris und Lisa, meine Passauer "Leidensgenossinnen" nach Buenos Aires. Lisa, weil sie nächste Woche heimfliegt, und Doris, weil sie sich mit einer anderen Deutschen trifft, um drei Wochen in den Süden zu reisen. Ich fahre da nicht mit, weil ich eben noch dieses Seminar mache. Dafür fahre ich am kommenden Freitag von hier aus nach Puerto Madryn, ein Ort an der Atlantikküste, um mich dort mit Doris und dem anderen Mädel (Steffi) zu treffen und dann alleine wieder zurück nach Santiago zu fahren. Puerto Madryn liegt an einer Halbinsel, in deren Buchten immer Wale zum Paaren und Kinder Kriegen kommen, außerdem wimmelt es dort von Seelöwen, Seeelefanten, Delfinen, Pinguinen und Wasservögeln (und ich weiß nicht was noch alles). Die Insel ist noch so mein letzter Punkt auf meiner "Reise-To-Do-Liste", wenn ich das gesehen hab, bin ich glücklich! :-)

9.11.08 01:34


Lernen, Geburtstagsparty planen und Warten auf Argentinier...

Heute ist der 1. November, Allerheiligen. In Deutschland ist es heute herbstlich frisch, wahrscheinlich auch neblig morgens, und alle pendeln zum Friedhof, um ihrer verstorbenen Verwandten zu gedenken und den neuen Wintermantel auszufuehren.

Heute ist 1 de noviembre, Día de los Muertos. In Santiago del Estero ist es heute heiss wie immer, wohl etwas schwuel, um die 30 Grad, die Stadt wacht gerade auf, um dann gegen 13 Uhr zur Siesta wieder auszusterben. In den Haeusern laufen die Ventilatoren und - bei den Gluecklichen - Klimaanlagen, und Tagesgespraech ist wie immer die Hitze, und dass das ja noch gar nichts waere im Vergleich zum Sommer, der in grossen Schritten kommt.

Morgen ist mein Geburtstag, am Día de los Muertos (da gehen dann die Argentinier auf den Friedhof, fuehren aber wohl eher den neuen Sommerrock aus), aber es fuehlt sich gar nicht so an. Gestern war der letzte regulaere Vorlesungstag an der Uni, aber es fuehlt sich gar nicht so an. Der Sommer kommt, aber fuer mich hat der eigentlich seit Juli nie so richtig aufgehoert...

Wahnsinn, wie sehr Feste, Ereignisse und Gefuehle von Wetter und Jahreszeiten abhaengen koennen... ;-)

Was hab ich hier so gemacht in den letzten Wochen? Gelernt (diese Woche und kommende sind meine Pruefungen... Ich geniesse eindeutig in vielen Faechern Auslaender-Boni... :-D), viel Mate getrunken, die Stadt noch besser kennengelernt, meine Geburtstagsparty geplant. Ja, dieser Punkt hat definitiv mein Leben diese Woche bestimmt, neben der Uni. Ich haette fast keinen Party-Raum gefunden, feier aber jetzt in einem Saal, der zu einer Kirche im Viertel von Eugenio gehoert, also etwas ausserhalb der Stadt. Da aber bis halb 1 Uhr nachts Busse dorthin fahren und morgens um halb 7 auch wieder von dort weg (und das ja ganz normale Uhrzeit ist, um eine Party zu beenden...), hab ich deswegen kein schlechtes Gewissen und ich denke, dass auch alle kommen. Hab nach dem Vorbild von Beléns Geburtstag im September ganz professionell einen DJ angeheuert, Kuehlgelegenheit fuer die Getraenke wird gerade organisiert, heute muss ich noch die Getraenke kaufen gehen und dann eine ordentliche Siesta schlafen, sonst ueberleb ich die Nacht nicht :-D

1.11.08 12:37


Cordoba: Einkaufsparadies und Oktoberfest-Erfahrung

Schande ueber mein Haupt, ich weiss....

Also, das Wochenende vom 10.-12. Oktober habe ich mit Doris in der Provinz Córdoba verbracht, die im Suedosten an Santiago del Estero angrenzt, also sozusagen auf halbem Weg (jeweils etwa 6-7 Stunden) zwischen Buenos Aires und Santiago liegt (...um es mal aus patriotischer Sicht der Santiagueños zu beschreiben. Die Cordobeser/Cordobesen wissen leider teilweise nicht mal von der Existenz ihrer "hinterwaeldlerischen" Nachbarn... :-().

Die gleichnamige Hauptstadt der Provinz Córdoba ist mit ca. 1,4 Millionen Einwohnern die zweitgroesste Stadt Argentiniens, aber ehrlich gesagt ist zum Beispiel Muenchen viel mehr Grossstadt als Córdoba, finde ich. Der Stadtkern war ziemlich ueberschaubar, aber fuer uns war es trotzdem mal wieder schoen, in einer grossen Stadt mit richtigen Einkaufszentren zu sein, denn die Liste mit Sachen, die wir in Santiago del Estero einfach nicht finden konnten, war bis dahin schon ziemlich angewachsen ;-) Von daher haben wir wohl insgesamt einen ganzen Tag mit Shoppen verbracht... :-D Ich hab mich zum ersten Mal zu einer (wirklich sehr schoenen, grauen) Jeans durchgerungen, die keinen Schlag mehr hat (bzw. nicht mal mehr noch gerade runtergeht am Bein), denn ich merke, wie weltweit die Schlaghosen aussterben, also muss ich mich ueber kurz oder lang eh umgewoehnen... ;-)

Natuerlich haben wir uns auch die architektonischen Highlights der Stadt angesehen, zumindest einige davon, denn ehrlich gesagt, so umfangreich ist die Liste gar nicht... Es gibt halt wie in jeder argentinischen Stadt einen Hauptplatz mit einer Reiterstatue, ein historisches Rathaus und eine Kathedrale (die in Córdoba ist uebrigens von aussen so haesslich, dass wir beinahe nicht hineingegangen waeren, aber innen ist sie echt reichlicht geschmueckt!). Ausserdem gibt es noch so einige Kirchen mehr, viele gehoeren zum Erbe der Jesuitenzeit in Córdoba. Die Manzana Jesuítica, die Weltkulturerbe ist, besteht aus einem kleinen Viertel rein mit Gebaeuden der Jesuiten: Kirchen, die aelteste Uni Argentiniens,...

In Córdoba kamen wir auch zum ersten Mal mit einem alternativen Stadtbus-Ticket-System in Beruehrung: Im Normalfall (also ueberall wo ich bisher war) ist es ja so, dass man dem Busfahrer beim Einsteigen moeglichst passend Bargeld fuer eine Einzelfahrt in die Hand druecken muss. Das Problem an dieser gaengigen Praxis ist, dass in diesem Land seit Jahren akuter Muenzmangel herrscht. Mir wurde das so erklaert, dass der Wert des Materials, aus dem die Geldstuecke gemacht sind, deutlich hoeher ist als der Nominalwert der Muenzen, und dass daher ueber kurz oder lang alles Kleingeld nach Paraguay und Brasilien verschwindet... Ich habe hier also erstmal lernen muessen, genauso wie die Einheimischen Kleingeld zu horten, denn selbst im Supermarkt kann es vorkommen, dass man sein Wechselgeld in Form von billigen Bonbons erhaelt, da die Kassierer keine Muenzen zum Rausgeben haben... Und da ich ja doch taeglich mit dem Bus fahre, haben fuer mich 1-Peso-Muenzen mittlerweile einen unschaetzbar hohen Wert (manchmal stehe ich sogar vor dem Dilemma, im Kiosk noch schnell irgendwelche sinnlosen Sachen zu kaufen, um fuer Taxi, Bus oder Trinkgeld Kleingeld zu haben...). Nun gut, in Córdoba, was ja doch eine Grossstadt ist, haben sich die Stadtherren ein schlaues System einfallen lassen: Man drueckt dem Busfahrer beim Einsteigen keine Geldmuenzen, sondern extra Bus-Wertmuenzen in die Hand, die man vorher (in groesseren Mengen, daher ohne Kleingeld-Bedarf) am Kiosk erwirbt. Von der Idee her ziemlich clever, nur kann ich absolut nicht nachvollziehen, wieso diese Token jeder einzeln in Plastikfolie eingeschweisst sind, die man als ungeuebter Auslaender echt nur mit Muehe runterfummeln kann... :-P

Nach zwei Tagen City haben wir uns dann am Sonntag noch in das Abenteuer Oktoberfest gestuerzt: Da es in der Provinz Córdoba generell viele Leute deutscher Abstammung gibt, und in dem kleinen Oertchen Villa General Belgrano besonders viele (Die Ueberlebenden eines deutschen Marineschiffs, das Anfang der 30er Schiffbruch erlitt, haben sich irgendwie geschlossen an diesem Ort niedergelassen und - so heisst es, auf Grund der landschaftlichen und klimatischen Aehnlichkeit zu den Alpen - sind noch so einige Deutsche und Schweizer nachgezogen.), gibt es in diesem Ort das ganze Jahr ueber Feste, Ausstellungen und Festivals, zum Beispiel einen Weihnachtsmarkt mit deutschem Christkindlschmuck, ein Festival zentraleuropaeischen Volkstanzes, und eben an den ersten beiden Oktoberwochenenden das "Fiesta de la Cerveza". Das konnten wir zwei Bayerinnen uns natuerlich nicht entgehen lassen (auch wenn Doris noch nie auf dem Muenchner Oktoberfest war und somit derzeit antworten muesste "Ja, ich war schonmal aufm Oktoberfest, aber in Argentinien" ;-)). Der Ort liegt 2-3 Busstunden suedlich von Córdoba Stadt, in den Sierras, also sowas wie Mittelgebirge, und ja, mit viel Fantasie koennte man sich schon vorstellen, man sei im Voralpenland oder so...

Villa General Belgrano ist so ein richtiges Zuckerhut-Dorf, wie von Disney fertig hingestellt: Alle Haeuser ahmen deutsches Fachwerk oder Aehnliches nach, sind mit Fahnen und Wappen aus Europa geschmueckt (deutscher Adler!), die Hotels heissen "Edelweiss" oder "Bremen", das Personal an der Touri-Info trägt echtes Dirndl, aus allen Ecken schallte uns abwechselnd der Anton aus Tirol, der Ententanz, ein Prosit der Gemütlichkeit oder auch der Holzmichl entgegen und in den Gaststaetten wird Bier aus den (ich glaub insgesamt 3 verschiedenen) lokalen Brauereien ausgeschenkt (in den Souvenirläden gibt es auch deutsches Importbier zu kaufen, zum Beispiel Erdinger für 10 Pesos pro Flasche, was echt teuer ist...). Wir haben dann mal das lokale "Brunnen Bier" probiert und... naja...aehm... nicht so toll (geht halt nix ueber das Bayerische Reinheitsgebot, gell? ;-)). Gegessen haben wir dann "Knackwurst con chucrut", also Sauerkraut (das fast nicht sauer war und voellig ungesalzen, dafuer aber eklige Speckwuerfel enthielt... Die Wurst war aber voellig in Ordnung.). (Anmerkung am Rande: Ich kann mich erinnern, dass Eugenio - mein "Ritter Eugenio", wie mein Vater zu sagen pflegt - mir erzaehlt hat, bei seinem Besuch in Deutschland vor zwei Jahren haette ihm alles geschmeckt, ausser das Sauerkraut... Vielleicht machen sie es deswegen in Córdoba so anders... ;-)) Als Vorspeise gabs Leberwurst (die auch so geschmeckt hat) mit Brot. Die Touristen am Nebentisch hatten übrigens einen Brotzeitteller bestellt, und da war KALTES Sauerkraut mit OLIVEN dabei...Zum Nachtisch gabs dann, da der Strudel schon aus war, "torta selva negra", also Schwarzwaelderkirsch, die auch voellig passabel geschmeckt hat. Aber all diese "Spezialitaeten" sind natuerlich wahnsinnig teuer, fuer argentinische Verhaeltnisse. Doris ließ es sich trotzdem nicht nehmen, vorm Heimfahren noch von netten Schweizerinnen teuren, aber echt leckeren Schweizer Käse zu kaufen, den sie in Santiago zusammen mit einer Art Schwarzbrot, das sie auch in Villa General Belgrano gekauft hatte, Stück für Stück über eine gute Woche hinweg genießen würde.

Ausser Essen gabs dann auch gar nicht so viel anderes zu tun, unter anderem, weil es den ganzen Tag eher frisch war und vor sich hingenieselt hat (schlechtes Reisewetter... Diese Erfahrung war auch neu fuer mich hier in Argentinien...). Man kann eben die Hauptstrasse mit den ganzen Souvenirlaeden (Übrigens völlig ohne Postkarten, hat mich bissl überrascht... Das Highlight scheint es zu sein, einen Bierhumpen und ein Schlüsselband in Deutschland-Farben zu erstehen und den Bierkrug dann am Schlüsselband durch den Ort zu tragen...) und Restaurants auf- und abmarschieren und den Turm vom Rathaus (das uebrigens typisch oberbayerisch Wettermann und -frau hat :-)) ersteigen. Das eigentliche "Oktoberfest" findet in einem abgezaeunten Bereich auf dem Hauptplatz statt, aber die 30 Pesos Eintritt haben wir uns gespart, da wir von aussen sehen konnten, dass uns drinnen nur weitere Fressbuden erwartet haetten, und einen Blick auf die Hauptbuehne, wo den ganzen Nachmittag ueber Folkloregruppen aus diversen Laendern auftraten, konnten wir auch von aussen als Zaungaeste erhaschen. Villa General Belgrano hat uebrigens ein brasilianisches Aequivalent, Blumenau, wo jedes Jahr das weltgroesste Oktoberfest-Imitat gefeiert wird, in Argentinien das zweitgroesste, und dann kommen erst irgendwann die zahlreichen Kopien in den USA...

Ja, und abends gings dann mal wieder mit dem Nacht-Bus zurueck nach Santiago. Was ich dort die letzten Wochen so gemacht hab, steht im neuen Eintrag drueber!

28.10.08 17:13


Fruehling, Sommer, Herbst?

Nachdem ich irgendwie ewig brauch, um den Reisebericht unten fertig zu schreiben, bin ich euch mittlerweile auch schon fast wieder 2 Wochen Alltag in Santiago "schuldig", von daher schreib ich jetzt einfach mal hier ein bisschen was, und den Eintrag unten ueberarbeite ich bei Gelegenheit noch, damit endlich alles komplett drin ist.

Also, wir kamen ja damals Samstag frueh (20.09.) wieder nach Santiago zurueck. An dem Abend war grosse Studentenparty, denn der 21. September ist hier nicht nur Fruehlingsanfang (aetsch), sondern auch Día de los Estudiantes, also irgendwie ein bisschen so wie in den USA die Spring Break. Ich war vorher mit Belén und ihren Freunden bei einer ihrer Freundinnen daheim, sozusagen "Vorgluehen". Ich hab ja glaub ich schonmal erwaehnt, dass man sich hier erst so gegen 12 bei jemandem daheim trifft und dann mindestens 5 Stunden Zeit killt, denn vor 5 braucht man eigentlich nirgends hingehen, was Parties oder Diskos angeht (Bars und Privatparties natuerlich ausgenommen, da gehts um Mitternacht los). Die Party (die uebrigens FEST hiess: Fiesta de Estudiantes... Und das Orga-Team schaute mich ganz unglaeubig an, als ich ihnen erklaerte, dass das das deutsche Wort fuer Fiesta ist... :-)) war als Mega-Event der Universidad Nacional und der Universidad Católica geplant, mit dementsprechend grosser Besucherzahl (geschaetzt 6-7000), aber dafuer war leider vor allem der Einlass katastrophal organisiert. Es gab genau einen Eingang, durch den sich in der Prime Time (also zwischen 4 und halb 6 Uhr morgens ;-)) Tausende Leute schoben. "Schoben" ist fast noch untertrieben, denn am Ende versuchte sogar die Polizei, groessere Katastrophen zu verhindern, denn viele sind in dem Gedraenge und Chaos umgefallen und wenn wir nicht an der Seite ein "Schlupfloch" (im wahrsten Sinne des Wortes) gefunden haetten, haetten wir auch aufgegeben und uns die Party gespart, denn draufgehen wollten wir dann doch nicht dabei... Als wir dann endlich mal drinnen waren, war es aber ganz ok, vor allem die Hamburger waren gut, die ab halb 8 dann verkauft wurden ;-)

Ja, und am Sonntag, nach dem Ausschlafen, war dann Fruehling :-), den ich nachmittags gleich mit einem Kumpel von Belén, Eugenio (den alle Piquí nennen), mate-trinkend im Park begruesste. Am Montag war dann Pruefung in meinem Tourismus-Kurs, aber ich hatte kurz vor Beginn unserer Reise gemeint, meine Unterlagen verloren zu haben und fand sie erst am Vorabend vor der Klausur wieder, was dementsprechend die Lernzeit etwas begrenzte... :-) Von daher bin ich schon erschienen, hab aber dann ziemlich bald abgegeben und lieber der Profesora (mit der ich mittlerweile auf Du bin und immer gemeinsam im Taxi heimfahr, wenn wir Mittwoch so spaet abends Kurs haben) von meinen Reiseerlebnissen erzaehlt :-D War ja auch egal, dieser Kurs wird mir ja in Deutschland null angerechnet.

Die vergangenen 2 Wochen war dann echt schon ziemlich heiss, teilweise 37 Grad. Aber das nennen die hier ja Fruehling, das sei ja noch gar nix im Vergleich zum Sommer, da hats dann ja 50 Grad und die Leute braten auf der Strasse Spiegeleier... Und dann schreibt mir der Wutz aus Deutschland voellig gefrustet, dass er sich wegen dem Scheiss-Wetter schon wieder erkaeltet hat... Die Welt ist schon verrueckt, oder? ;-)

Die ersten Uni-Noten hab ich auch schon, der Auslaender-Bonus bei den Dozenten tut das Seine ;-) Gestern fing ein neues Politik-Seminar an, das ich jetzt auch belege bis Ende November, weil ich es mir mit ziemlicher Sicherheit anrechnen lassen kann. Ansonsten ist ja Ende Oktober bei mir schon wieder Vorlesungsende, was heisst, dass ich demnaechst anfangen muss zu lernen, weil ich in jedem Kurs noch mindestens eine Pruefung habe.

Allmaehlich fange ich auch an, mich konkreter nach einer Beschaeftigung (Arbeit/Praktikum/wie ich immer man es nennen mag) fuer die Zeit nach der Uni umzusehen und -hoeren. Meine Profesora ausm Turi-Kurs (mit der ich mich echt voll gut verstehe) z.B. hat einen Freund, der bei Manpower arbeitet (Personaldienstleister), vielleicht geht da ja irgendwas... Ein Praktikum in Buenos Aires ist ja schon seit Wochen gecancelt, denn ich habe beschlossen, die Stadt ist mir eine Nummer zu gross und unsicher und ich hab wenig Lust, dort ganz alleine wieder bei Null anzufangen, wo ich ja hier schon voll in die Familie eingebunden bin, meinen Freundeskreis aufgebaut habe etc. Und... ja, mittlerweile (will heissen, vor ca. 1 Woche) hat sich noch ein weiterer Grund dazugeschlichen, weswegen es mich nicht unbedingt aus Santiago wegzieht... ;-) Will heissen, ich habe wohl hier so einige Maennerherzen gebrochen, dadurch dass ich - nun ja - wieder vergeben bin :-)

Heute Abend gehts mit Doris uebers Wochenende nach Córdoba (6 Stunden Fahrt von hier), Montag ist ein Feiertag, weil in Argentinien werden Feiertage, die auf einen Sonntag fallen (in diesem Fall der 12. Oktober, die Entdeckung Amerikas), einfach am darauffolgenden Montag nachgeholt. :-) In Cordoba werden wir uns die Stadt anschauen und einen Abstecher in eine deutsche Kolonie machen, wo zur Zeit das Oktoberfest stattfindet. Wird bestimmt lustig :-)

Ich melde mich also Anfang naechster Woche wieder!

9.10.08 17:13


Ich lebe noch... Reisebericht Iguazu und Esteros del Ibera

Und hier endlich mein „Reisebericht” der vergangenen Woche! Ich mach wohl erstmal eine Zusammenfassung in ein paar wenigen Sätzen, für die, die heut noch was anderes vorhaben als meine Blogeinträge zu lesen :-D

Also wir (= Doris und ich) sind letzten Freitag (12.09.) nachmittags zu einer 20-stündigen Busfahrt nach Puerto Iguazú im Nordosten Argentiniens aufgebrochen, wo wir dann von Samstag mittag bis Dienstag früh waren. Iguazú liegt schon im Regenwaldgebiet, und die Landschaft ist natürlich dementsprechend ganz anders als bei uns hier im ausgedörrten Santiago. Nach kurzer Stippvisite am Dreiländereck Argentinien-Brasilien-Paraguay gings am Sonntag in den brasilianischen Teil des Nationalparks Iguazú – also eben zu den Wasserfällen – abends haben wir eine Vollmond-Tour im argentinischen Teil des Parks gemacht, und am Montag dann den Tag im argentinischen Park verbracht, sind auch Boot gefahren und haben ganz viele Tiere gesehen (Affen, Tukane, Nasenbären = guatíes, Kaimane, Schmetterlinge, Gekkos, viele Vögel, eine komische große Echse).

Dienstag saßen wir fast den ganzen Tag im Bus (was aber auch immer irgendwie ein Abenteuer ist), weil wir sozusagen die Hälfte des Rückwegs schon wieder hinter uns gebracht haben, mit Zwischenstopp in San Ignacio (hier kann man Ruinen einer kompletten Jesuiten-Mission besichtigen, wo die Guaraní-Indianer christianisiert werden sollten). Nachts um 3 kamen wir in einem Örtchen namens Mercedes in der Provinz Corrientes an, wo uns dann Lisa (die dritte Deutsche) und ein wenig einladender 8er-Dorm als Schlafplatz erwartete. Am nächsten Tag (also Mittwoch) ließen wir uns vom Personal des Hostels über unser nächstes Ziel aufklären, eine kleine Colonia namens Carlos Pellegrini, die an einer Lagune im Nirgendwo in der Sumpflandschaft „Esteros del Iberá” liegt und wohin einmal täglich ein Bus fährt, oder besser fahren sollte, denn als wir dort waren, war der kaputt. Wir sind dann letztendlich mit dem Jeep 2 Stunden ins Nichts gefahren und waren dann 1,5 Tage so richtig „auf Urlaub”: Im Liegestuhl in der Sonne liegen, Affen und Wasserschweinen (carpinchos) beim Fressen zuschauen, uns mit dem Boot im Lagunenwasser rumkutschieren lassen und dabei noch mehr Wasserschweine, Kaimane, Wasservögel, eklige fette Spinnen und eine Fressen verdauende Boa beobachten, über eine sumpfige Kuhweide reiten, gemütlich kochen und Wein trinken. Die Abreise war dann leider nicht ganz so urlaubsmäßig, weil wir morgens um 3 Uhr früh mit jemandem vom Hostel zurück nach Mercedes fahren mussten, weil ja kein Bus ging. Aber so konnten wir letztendlich noch einen Nachmittag in der Hauptstadt der Provinz, Corrientes einlegen bevor es Freitag Nacht im Coche Cama (Verzeihung, Semi-Cama) Bus zurück nach Santiago ging.

So, das war die Kurzfassung ;-), für Fotos bitte runterscrollen, und wen es interessiert, der kann nun die Langfassung lesen, wobei ich heute wohl nicht alles davon schaffe, aber ich verspreche, so schnell wie möglich alles zu ergänzen:

 

Unser Bus von Santiago del Estero nach Puerto Iguazú hatte gleichmal 2 Stunden Verspätung, die wir dann Kaffee trinkend am Busbahnhof verbrachten. Aus den 1planmäßigen 8 Stunden Fahrt wurden dann auch noch 20, so dass wir letztendlich statt um 8 Uhr morgens eben erst mittags in Puerto Iguazú eintrafen. (Auf der Busfahrt hat sich übrigens der Steward oder Busbegleiter oder wie auch immer in mich verliebt, dabei hab ich wirklich nix gemacht außer artig Bitte und Danke gesagt und gelächelt... Ich finds schön langsam nur noch lustig. Die Argentinier sind verrückt. :-D) Durch die Verspätung konnten wir am Samstag kein Nationalpark-Programm mehr durchziehen, weil die Parks spätestens um halb 7 zumachen (zumindest jetzt, zur Nebensaison). Wir sind also einfach ein bisschen durch die Stadt spaziert, die im Vergleich zu Santiago komplett anders ist: viel sauberer, ordentlicher, keine streunenden Hunde, eben total auf (internationalen) Massentourismus zugeschnitten. Puerto Iguazú liegt am „Zweiflüsseeck” vom Río Paraná und Río Iguazú, die an der Stelle gleichzeitig auch die natürlichen Grenzen zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay bilden. Zu diesem Punkt sind wir dann gegangen (als Passauer Studenten ja quasi Pflichtprogramm ;-)), was landschaftlich und fototechnisch echt lohnenswert war.

Weil wir unser Reisebudget schonen wollten, haben wir auf der gesamten Reise versucht, nur einmal am Tag essen gehen zu müssen, von daher gabs Samstag Abend Brot, Käse, Salami und Bier (argentinisches natürlich :-)) im Hostel-Zimmer. Unser Hostel hieß übrigens Casa Blanca und war... naja... ok. Das Zimmer (gebucht: Doppelzimmer) war riesig, da 4 Einzelbetten drinstanden, aber die Einrichtung fiel schon an allen Ecken und Enden auseinander, die Klospülung brauchte viel Liebe und die Duschtücher rochen, sobald sie mal nass gemacht worden waren, voll nach Urin. Ich hatte zum Glück ein eigenes kleines Handtuch dabei, aber Doris mit ihren langen Haaren litt schon ziemlich... Wenigstens gabs kostenlos einen PC mit Internetzugang, wovon wir auch rege Gebrauch gemacht haben, um mit Lisa den weiteren Verlauf der Reise zu koordinieren. Gezahlt haben wir pro Nacht zu zweit 120 Pesos, war noch ok.

Sonntag ging es dann früh morgens los, auf die brasilianische Seite des Nationalparks. Die Wasserfälle sind ja leider (oder Gott sei Dank?) auf beide Länder verteilt, und jedes Land rühmt sich natürlich damit, aber das Erlebnis ist auf beiden Seiten des Parks ziemlich unterschiedlich: Der brasilianische Park ist viel kleiner (auf 2 bis 3 Stunden ist man wirklich durch, inklusive Souvenirshop), es gibt im Prinzip einen langgezogenen Trampelpfad am Flussufer entlang, von wo aus man auf die Wasserfälle auf der argentinischen Seite einen echt gigantischen Ausblick hat. Unser allererster Anblick der „cataratas”, wie sie auf Spanisch heißen (das Wort klingt schon so schön nach tosendem und brausenden Wasser), war also ein Panorama des Großteils der 200-300 Wasserfälle.

An einer Stelle am Ende des Weges führt dann auch ein Steg weit in den Fluss und die Wasserfälle hinein, da hab ich dann lieber mal meine Kamera geschont und weniger Fotos gemacht, denn da wird man schon ziemlich eingesprüht... :-D


Ach ja, die Anreise von Puerto Iguazú aus mit dem Bus auf die brasilianische Seite hatten wir uns übrigens auch etwas einfacher vorgestellt... Morgens haben wir für die Strecke von wenigen Kilometern über 2 Stunden gebraucht: Man steigt in Puerto Iguazú in einen Bus mit Ziel „Foz do Iguazú” ein (das ist sozusagen die brasilianische Entsprechung zu Puerto Iguazú, an der argentinischen Grenze müssen dann alle aussteigen und sich aus dem Land ausstempeln lassen und dann fährt der Bus weiter. Als Tagestourist zu den Wasserfällen hätten wir in Brasilien keinen Stempel gebraucht, aber irgendwie wollten wir halt dann doch offiziellen Beleg, dass wir in dem Land waren :-), also sind wir dann auf der brasilianischen Seite wieder ausgestiegen und sind nach Brasilien „eingereist”. Dann mussten wir auf den nächsten Bus warten, der uns dann wieder ein paar Kilometer weiter fuhr und uns dann irgendwo in einem Kaff rausschmiss mit dem Hinweis, hier auf einen anderen Bus zu warten zu den Wasserfällen. Hier standen wir dann ziemlich lange rum und haben auch ebenso verwirrte Gesellschaft aus England und Österreich (dazu später mehr) bekommen, bis uns irgendwann dann auch endlich ein Bus mitnahm zum Nationalpark. Die Rückfahrt traten wir dann zusammen mit eben jener österreichischen Busbekanntschaft an: Anna, Medizinstudentin aus Wien, hatte gerade ihre Auslandsfamulatur in Brasilien hinter sich gebracht und hat sich für die Heimreise über Buenos Aires noch 4 Wochen Zeit zum Rucksackreisen genommen. Sie war am Vortag schon zum Spaß mit anderen Backpackern für eine Stunde nach Paraguay gefahren, um billig DVDs und Sonnenbrillen und so Zeug zu kaufen, und da wir durch die Tortur mit dem Busfahren eh schon wieder nichts mehr mit dem Rest des Nachmittags anfangen konnten, haben Doris und ich spontan entschieden, uns von Anna nach Paraguay führen zu lassen. Im Bus wurde uns dann klar, dass Sonntag nachmittags um 5 in Paraguay wohl nicht gerade der Bär steppt, was uns dann vom Busfahrer auch bestätigt wurde. Also sind wir letztendlich doch zurück nach Puerto Iguazú gefahren und haben uns dann lieber um die „Tour de Luna Llena” bemüht: Jeden Monat in den Nächten um Vollmond rum gibt es in den Abendstunden Sondertouren zur „Garganta del Diablo” (Teufelsschlucht oder so), dem größten, wildesten Wasserfall auf der argentinischen Seite des Parks. Nachdem wir uns im Vorfeld nicht ganz sicher waren, ob der Mond gerade ab- oder zunimmt (ich habe nicht gewusst, dass der Mond auf der Südhalbkugel spiegelverkehrt ist...) ;-), konnten wir letztendlich für Sonntag Abend kurzfristig noch drei Karten für die Nachttour bekommen (Doris, ich, Anna aus Österreich) und haben es echt nicht bereut. Mitten in der Nacht am Rand eines riesigen, tobenden Wasserfalls zu stehen, der nur vom Vollmond beschienen wird, hat mir mal wieder so richtig den Respekt vor der Natur und den Naturgewalten eingeflößt. Fotos hab ich natürlich keine besonders überragenden, aber wie sagt meine amerikanische Gastmutter immer: „You'll carry it with you in your heart”...

Am Montag stand dann eben der weitaus größere argentinische Teil des Parks auf dem Programm. Das war wie gesagt eine ganz andere Erfahrung als in Brasilien, denn es gibt viel mehr unterschiedliche Wege, die sich mal mitten durch den Regenwald, mal am Flussufer entlang, mal direkt über die Wasserfälle hinweg schlängeln und man ist einfach viel näher „dran” als in Brasilien. Hier haben wir dann auch echt viele Tiere gesehen: die Guatíes (Nasenbären) sind ziemlich frech und spazieren im Rudel ohne jegliche Scheu direkt vor dir über den Weg. Ein Schild am Parkeingang warnte uns allerdings, dass man wohl lieber nicht mit ihnen kuscheln sollte....

 

Wir haben uns dann doch reingewagt :-D und im Verlauf des Tages folgende mehr oder weniger "wilde" Tiere gesehen: Guatíes (Nasenbären), irgendwelche komischen Riesenechsen, ganz viele Vögel (unter anderem Tukane), Schmetterlinge, Raupen, Gekkos, Schildkröten, Kaimane, Affen.
Ich bin ausserdem in einem Boot direkt zu den Wasserfaellen hingefahren und wurde ein paar Mal komplett "geduscht". Das war erstens lustig :-) und zweitens hat mir diese Erfahrung dabei geholfen zu begreifen, dass die Wasserfaelle wirklich echt sind und nicht nur hingemalt. Doris und ich standen naemlich echt oft da und ueberlegten, wie viel Arbeit es wohl war, diese perfekte Hollywood-Kulisse hinzudrapieren... Was wir dann am spaeten Nachmittag noch gemeinsam gemacht haben, war eine Schlauchboottour oberhalb der Wasserfaelle, also im ruhigen Gewaesser, wo wir dann eben die Kaimane, Schildkroeten und Tukane gesehen haben und uns fuehlten wie die ersten Amazonas-Forscher :-) Am Schluss dieses Tages ging uns dann direkt die Zeit aus, wir waren bei den letzten, die sich um viertel nach 6 mit dem Mini-Zug zum Ausgang kutschieren liessen. Aber kurz vor Schliessung des Parks kommen eben nochmal viel mehr Tiere zum Vorschein, so dass wir dann auch einer kompletten Affenfamilie beim Abendessen zuschauen konnten.

Nachdem wir abends noch mit Anna (die Backpackerin aus Oesterreich) und einer Reisebekanntschaft von ihr einen mueden Versuch unternommen hatten, das Nachtleben von Puerto Iguazú zu erforschen, sind wir Dienstag frueh ziemlich uebermuedet aus Puerto Iguazú aufgebrochen und mit dem Bus 5 Stunden gefahren, um einen Zwischenstopp in San Ignacio einlegen zu koennen (immer noch Provinz Misiones, kurz vor Posadas). In San Ignacio kann man eben die einst voellig vom Wald verschlungenen, aber mittlerweile wieder freigelegten und sehr gut erhaltenen Ruinen einer Jesuiten-Mission besichtigen. Davon gibt es in dieser Region ziemlich viele, aber San Ignacio ist eben die bekannteste und groesste, und auch von der Verkehrsanbindung fuer uns die einzige Moeglichkeit, sowas noch in unseren Reiseplan zu quetschen. Wir kamen um viertel nach 1 an und um dreiviertel 3 sassen wir schon wieder im Bus nach Posadas ;-), aber die Zeit hat schon einigermassen gereicht. Ich hab beschlossen, wenn ich mal heirate, weiss ich schon, wo ich meine Hochzeitsfotos machen lass ;-). Am spaeten Nachmittag waeren die Bilder natuerlich noch besser geworden, aber ich war auch so ziemlich begeistert. Irgendwie ein geheimnisvoller Ort, vor allem, wenn man sich die Geschichte dazu vorstellt.

Von Posadas aus ging es dann weitere 4 oder 5 Stunden nach Corrientes, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, und von dort aus um 11 Uhr abends mit dem vorletzten Bus nach Mercedes, ein kleines Staedtchen im Sueden der Provinz. Dahin mussten wir, um zu den heissersehnten Esteros del Iberá zu gelangen, eine Sumpflandschaft, die - sagen wir mal - infrastrukturell eher mau ausgestattet ist (aber das haben Sumpflandschaften wohl so an sich ;-)). Da unser Bus eine Panne hatte, kamen wir erst um halb 4 Uhr frueh in Mercedes an. Lisa, die dritte Deutsche, war schon einen Tag frueher von Santiago aus nach Mercedes angereist und hatte sich um die Unterkunft gekuemmert. Als wir dann mitten in der Nacht ankamen, waren wir wenig begeistert davon, dass es sich dabei um einen 8er-Dorm mit ekliger Dusche handelte... Aber gut, das war dann auch schon egal. Nach fast 20 Stunden Bus Fahren brauchten wir einfach nur was zum Schlafen. Und die Touri-Information und Betreuung, die wir dann am andern Morgen beim Fruehstueck erhielten, machte viel wieder wett.

... Scheisse, jetzt war grad wieder Stromausfall, das ist hier leider, seit es so heiss ist, beinah an der Tagesordnung... Hab grad keine Lust mehr, alles nochmal neu zu tippen. Aber irgendwann ist alles komplett, versprochen! Schaut einfach immer wieder mal den Eintrag an, ich schreibe weiter!

24.9.08 20:03


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